Die Nachfrage nach dem Posten des Offenbacher Oberbürgermeisters hat sich im vorigen Jahr in Grenzen gehalten. Ganze drei Herausforderer machten Horst Schneider (SPD) das Amt streitig. Dagegen wollen immerhin zehn Kandidaten am 11. März zum Frankfurter Stadtoberhaupt gewählt werden. Angesichts der unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten in den ungleichen Städten ist diese Differenz leicht zu erklären.
Schneider versucht, aus der Nachbarschaft zum viel größeren und um Potenzen reicheren Frankfurt das Beste zu machen. Mit Charme, über den er durchaus verfügt, hat er die Beziehungen zur Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) stets gepflegt. Auch als neulich im Römer die Wahl mehrerer Frankfurter Stadträte auf der Tagesordnung stand, war er präsent, um zu gratulieren.
Mancher Offenbacher empfindet solche Gesten als Anbiederei. Im Konflikt um den Umbau des Kaiserlei-Kreisels hat Schneider den Nachbarn jedoch durchaus die Zähne gezeigt. Mit der Androhung einer Klage gegen die neue Mainbrücke im Ostend hat er den Frankfurter Magistrat gezwungen, die Kosten für den Ausbau des wichtigen Knotenpunkts komplett zu übernehmen. Ihm kam dabei zugute, dass die Nachbarstadt in der Angelegenheit lange Zeit saumselig gewesen war. Nachdem mit dem Bau der Brücke schon begonnen worden war, wollte sich Frankfurt einen Rechtsstreit mit Offenbach nicht mehr leisten. Angesichts der jüngsten, überraschenden Urteile des Frankfurter Verwaltungsgerichts eine mehr als plausible Haltung.
Ob Schneider gut beraten war, seinen Triumph während der Pressekonferenz auszukosten, sei dahingestellt. Ihn wird vermutlich die Sorge angetrieben haben, dass sein Sieg andernfalls daheim nicht angemessen gewürdigt werden könnte. Roth reagierte leicht irritiert. Ihre klare Absage an die Idee einer Mehrzweckhalle am Kaiserlei, von der Schneider schon lange schwärmt, war vielleicht auch ein kleiner Racheakt.
Allerdings hat Roth damit nur ausgesprochen, was die Vernunft gebietet. Eine solche Halle mit Geld der öffentlichen Hand zu subventionieren wäre unverantwortlich. Das wird auch Schneider irgendwann einsehen. Zum Glück sind die Beziehungen zwischen beiden Städten zumindest auf politischer Ebene inzwischen so entkrampft, dass sie kleine atmosphärische Eintrübungen locker überstehen.