09.06.2008 · In der Frankfurter Kulturpolitik gibt es Handlungsbedarf. Die Planungen für das Historische Museum und das Museum der Weltkulturen sind ins Stocken geraten. Und dass das völkerkundliche Museum immer noch keinen Neubau hat, ist skandalös.
Von Michael HierholzerDie Museen stehen im Mittelpunkt Frankfurter Kulturpolitik. Das war nicht immer so. Selbst zu Zeiten, als am südlichen Mainufer ein Ausstellungshaus nach dem anderen errichtet wurde, waren die Städtischen Bühnen das vornehmliche Objekt der kulturpolitischen Gestaltungsbegierde. Mittlerweile aber sind mit dem Ballett und dem Theater am Turm (TAT) nicht nur zwei Sparten abgeschafft worden, sondern die verbliebenen Abteilungen Oper und Schauspiel haben sich auch insofern dem unmittelbaren städtischen Zugriff entzogen, als sie nun unter dem Dach einer Bühnen-GmbH spielen. Aufsichtsratsvorsitzende ist die Oberbürgermeisterin, ein Zustand, den der einstige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann nicht müde wird zu geißeln: Der für die Kultur zuständige Stadtrat erleide dadurch einen Bedeutungsverlust, der das Amt insgesamt schwäche.
So frei wie in Hoffmanns Ära kann die Kulturpolitik allerdings schon lange nicht mehr handeln. Die finanziellen Verhältnisse, sie sind nicht so. Und die kommunalpolitischen Bedingungen erst recht nicht. Frankfurt ist kein Einzelfall: Die Kulturpolitik kommt in kaum einer deutschen Stadt einmal aus der Defensive heraus. Neuerdings muss in der Finanzmetropole der Wegzug der Börse nach Eschborn und der damit einhergehende Steuerausfall dafür herhalten, alle möglichen Kulturprojekte in Frage zu stellen.
Wertvolle ethnologische Sammlung schlummert in Depots
Dabei gibt es genügend Handlungsbedarf. Ein Konzept etwa für die Kunst im öffentlichen Raum ist seit langem überfällig. Und die Planungen für das Historische Museum und das Museum der Weltkulturen sind ins Stocken geraten. Dass das völkerkundliche Museum immer noch keinen Neubau hat, ist ohnehin skandalös: Seit Jahrzehnten schlummert eine der weltweit wertvollsten ethnologischen Sammlungen in den Depots, und Frankfurt, Zentrum einer der wirtschaftsstärksten Regionen des Planeten, begibt sich der Möglichkeit, damit zu werben, den Standort aufzuwerten, seinen internationalen Charakter zu schärfen.
Felix Semmelroth begreift dieses Museum zu Recht als vorrangiges Projekt. Wenn es in koalitionspolitischen Grabenkämpfen dahinscheiden sollte, zeigte sich Frankfurt tatsächlich als die Provinzstadt, für die es manchmal gehalten wird.