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Kommentar Kontrolle ist besser

 ·  Von rund 22.600 Lebensmittelproben waren im vergangenen Jahr 144 als gesundheitsschädlich einzustufen. Einerseits ein Hinweis auf die gute Qualität des Nahrungsangebots, andererseits auf die unhaltbaren Zustände, die mancherorts herrschen.

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Rund 22.600 Lebensmittelproben hat das Hessische Landeslabor im vergangenen Jahr analysiert, 114 davon (0,4 Prozent) wurden als gesundheitsschädlich bewertet, weil die Prüfer beispielsweise Salmonellen oder Glas- und Metallsplitter fanden. Man kann das als Beleg für die gute Qualität des Nahrungsangebots im Land nehmen, mit einiger Berechtigung aber auch als Hinweis dafür, dass bei einigen Herstellern und Verarbeitungsbetrieben unhaltbare Zustände herrschen.

Die entscheidende Frage, ob in Deutschland ausreichend kontrolliert wird, kann man nach den zahlreichen Skandalen in der Lebensmittelbranche nur mit Nein beantworten. Das Risiko, entdeckt zu werden, ist für ein schwarzes Schaf unter den Unternehmern noch immer kalkulierbar klein, die Bußgelder sind zudem lächerlich gering.

Branche würde von einem besseren Ruf profitieren

Dass das bestehende Überwachungssystem vor allem bei akuten Krisen schnell überfordert ist, hat sich im vergangenen Herbst beim Skandal um den Verkauf von sogenanntem Gammelfleisch gezeigt. Damals hat der hessische Verbraucherschutzminister Wilhelm Dietzel (CDU) reagiert und eine „Schnelle Eingreiftruppe Lebensmittelsicherheit“ beim Regierungspräsidium Darmstadt eingerichtet, die sämtliche Tiefkühlhäuser in Augenschein nahm. Zusätzliche Stellen wurden für diese Sondereinheit allerdings nicht geschaffen, die Zahl der amtlichen Lebensmittelkontrolleure liegt seit Jahren bei rund 135.

Zwangsläufig konzentrieren sich die Prüfer daher sowohl bei der Auswahl der überprüften Unternehmen als auch bei der Häufigkeit der Untersuchungen auf Risikobranchen und Risikowaren – Hackfleischverarbeiter und Babynahrungshersteller werden beispielsweise öfter kontrolliert als Betriebe anderer Branchen und solche, die jahrelang nicht aufgefallen sind. Eine Kontrolldichte von 100 Prozent ist unter den derzeitigen Bedingungen nicht zu erreichen; so manches Unternehmen bleibt jahrelang unbehelligt.

Forderungen nach mehr Ermittlern werden von Minister Dietzel nicht zuletzt unter Hinweis auf die hohen Kosten zurückgewiesen. Einen möglichen Ausweg aus diesem Dilemma hat die Opposition im Landtag gewiesen: Zur Finanzierung von mehr Personal sollten die Lebensmittelkontrollen zumindest zum Teil kostenpflichtig gemacht werden. Für die Unternehmer dürfte das kein Anlass zum Aufstand sein, denn von einem besseren Ruf würde schließlich die Branche insgesamt profitieren.

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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