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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Kompromiss, keine Kapitulation

 ·  Kelsterbach hat mit dem Verkauf des Waldstücks an Fraport einen guten Preis erzielt und seine Wirtschaft für Jahrzehnte gestärkt. Doch Bürgermeister Manfred Ockel muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den Ausbaugegnern einen Bärendienst erwiesen zu haben.

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Glückwunschtelegramme aus den Nachbarstädten werden die Kelsterbacher nicht bekommen, erst recht nicht von den Umweltverbänden. Ganz im Gegenteil: Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) wird sich dem Vorwurf stellen müssen, die gemeinsame Sache der Ausbaugegner verraten zu haben.

Seine Magistratskollegen und er werden es verschmerzen, aus Sicht ihrer Stadt haben sie ein gutes Ergebnis erzielt – wenn die Einschätzung stimmt, dass die neue Landebahn nicht zu verhindern ist. Unter dieser Vorgabe hat Kelsterbach einen guten Preis für seinen Grund und Boden erzielt und durch die Vereinbarung mit Fraport zur Entwicklung von Gewerbegebieten seine wirtschaftliche Perspektive gestärkt. Vor allem die Chance auf weitere Arbeitsplätze in der Stadt hat Gewicht, schließlich muss sie den – ausbaubedingten – Weggang der Ticona und ihrer 1200 Beschäftigten verkraften. Auf der Haben-Seite kann Ockel zudem verbuchen, dass Fraport die Kosten für passiven Schallschutz in Kelsterbach übernehmen wird. Denn da Kelsterbach nicht direkt von Jets überflogen wird, besteht dazu keine gesetzliche Verpflichtung.

Ins Unvermeidliche gefügt

Dass es Ockel vor allem darum geht, den Schaden für die Stadt gering zu halten, das entspricht der Tradition der Kelsterbacher Kommunalpolitik. Aber es heißt nicht, dass ihm und seinen Magistratskollegen die Entscheidung leichtgefallen sei: Auch am Mittwoch gab er nochmals zu Protokoll, dass er die Notwendigkeit des Ausbaus grundsätzlich bezweifle, um sich dann in das seiner Meinung nach Unvermeidliche zu fügen.

Nur wenig Zustimmung der Nachbarn wird Ockel mit seiner Einschätzung finden, die Entscheidung des „Musterklägers“ Kelsterbach bedeute keine Schwächung der Position anderer Städte vor Gericht. Denn es geht nicht nur um die juristische Würdigung des Vorgangs, sondern auch um die politische Wucht ihres Widerstands – und die gewinnt er auch durch die Zahl der Mitstreiter. In einer Stadt wie Flörsheim, die der Fluglärm wegen der Anflugroute zur neuen Landebahn am übelsten treffen wird, dürfte das Ausscheren Kelsterbachs nur wenige Freunde finden. Ockel wird’s aushalten: In diesem Fall wärmt Kelsterbach das wohlige Solidaritätsgefühl nur bis zum Baubeginn – der Vertrag nutzt der Stadt für Jahrzehnte.

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Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Groß-Gerau.

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