12.11.2007 · Es bedarf keiner großen prophetischen Gaben, dem künftigen Museum für Komische Kunst beachtliche Besucherzahlen zu prophezeien: Das Museum erhält ein höchst attraktives Quartier in dem zwischen Dom und Main gelegenen hochgotischen Leinwandhaus.
Von Konstanze CrüwellGute Karikaturisten sind immer auch Aufklärer, mal mehr, mal weniger gnadenlos. Aus diesem Grund erfreuen sie sich bei den Regierenden oft nur mäßiger Beliebtheit. So dürfte „pardon“, die von 1962 bis 1982 erschienene satirische Zeitschrift, zu deren Erfolg die Neue Frankfurter Schule wesentlich beigetragen hat, im Römer oder in den tonangebenden Kreisen der Stadt kaum allzu viele Leser gehabt haben. Kein Zufall war es wohl auch, dass die erste Ausstellung der legendären Schule mit Werken von F. W. Bernstein, Bernd Eilert, Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Pit Knorr, Chlodwig Poth, Hans Traxler und F. K. Waechter 1987 nicht hier, sondern in Marburg gezeigt wurde.
Zum Glück ist das möglicherweise gegenseitige Fremdeln ferne Vergangenheit, nachdem die Stadt 2005 das graphische Werk der zeichnenden Mitglieder der legendären Schule erworben hat. Und wenn sich das Leinwandhaus im Sommer 2008 in ein perfektes Museum für Komische Kunst verwandelt hat, wo diese Schätze ideal zu präsentieren sind, dann darf Frankfurt wirklich für sich in Anspruch nehmen, Humorstandort Nummer eins in Deutschland zu sein. Dass die Stadt über die größte Satirikerdichte der Bundesrepublik verfügt, ist ohnehin statistisch längst erwiesen.
Ein Verdienst der Neuen Frankfurter Schule ist es auch, in dieser Stadt zu einem freiheitlichen Klima der Toleranz und Lachbereitschaft beigetragen zu haben, was Karikaturisten und Satiriker aus dem ganzen Land immer noch anzieht. Zudem hat sie bei einem breiten Frankfurter Publikum Aufgeschlossenheit und Interesse für den guten oder den bösen Witz geweckt: Er darf hier - wie der freie Geist - wehen, wie er will. Kein Wunder, dass in diesem Klima der ernste Unernst blüht und gedeiht, ob beim Neuen Frankfurter Schulorchester, bei Komödianten und Kabarettisten.
Professionelle Bedenkenträger, die fürchten, die Neue Frankfurter Schule werde nun „musealisiert“, sollten sich trösten: Die Zeichnungen werden nach wie vor eine belebende, ja inspirierende Wirkung entfalten, und zudem hat die Schule hervorragende Nachfolger. Es bedarf also keiner großen prophetischen Gaben, dem künftigen „Caricatura“ genannten Museum für Komische Kunst Erfolg, sprich: beachtliche Besucherzahlen zu prophezeien: Das Museum erhält ein höchst attraktives Quartier in dem zwischen Dom und Main gelegenen hochgotischen Leinwandhaus, einem der schönsten Bauten des mittelalterlichen Frankfurt. Und komische Kunst ist ja auf exemplarische Weise Kunst für alle.