08.07.2010 · Manuela Rottmann hat nicht nein gesagt. Die Frankfurter Umweltdezernentin hat es vielmehr vorgezogen, im Interview auf die Frage nach ihren Ambitionen für die Oberbürgermeisterwahl ausweichend zu antworten.
Von Matthias AlexanderManuela Rottmann hat nicht nein gesagt. Die Frankfurter Umweltdezernentin hat es vielmehr vorgezogen, im Interview auf die Frage nach ihren Ambitionen für die Oberbürgermeisterwahl ausweichend zu antworten. In ihrer Partei, den Grünen, wird man sich nun verstärkt Hoffnungen auf eine Kandidatur der fleißigen und nüchternen Juristin machen. Klar ist, dass der Bündnispartner der CDU im Jahr 2013 einen eigenen Kandidaten aufstellen muss; ein Verzicht wäre den Anhängern angesichts der Stärke der Partei nicht zu vermitteln. Klar ist auch, dass Rottmann aufgestellt würde, wenn sie denn will.
In der CDU sind die Verhältnisse weniger eindeutig. Es fällt auf, dass Amtsinhaberin Petra Roth immer häufiger Kämmerer Uwe Becker Gelegenheit zu werbewirksamen Auftritten gibt. So durfte Becker neben Roth in die Kameras lächeln, als der Abriss des Technischen Rathauses begann. Er präsentierte jüngst das Jahresergebnis des Wohnungskonzerns ABG Holding, was sich bisher die Oberbürgermeisterin vorbehalten hatte, und er durfte das Geschenk der CDU-Stadträte zu Roths Amtsjubiläum überreichen.
Rottmann ginge nicht ohne Chancen in die Wahl
Wirtschafts- und Sportdezernent Markus Frank nutzt dagegen ganz selbständig die Profilierungsmöglichkeiten, die ihm seine Ressorts bieten. Er hat einen Lauf, der die anderen CDU-Magistratsmitglieder blass aussehen lässt: Condor-Ansiedlung, ADC-Gipfel und Lea-Preisverleihung gehen auf sein Konto. Der Umstand, dass der Frankfurter CDU-Vorsitzende Boris Rhein vor einem Jahr nach Wiesbaden geflüchtet war, weil er sich mit dem vermeintlich profillosen Wirtschaftsressort nicht so recht anfreunden konnte, bekommt durch die Erfolge Franks eine pikante Note.
Gleichwohl ist Rhein derzeit Favorit auf die Oberbürgermeister-Kandidatur der CDU; Frank ist in den eigenen Reihen nicht übermäßig beliebt, Becker agiert zu defensiv. Wenn Rhein keine gravierenden Fehler macht, dürfte ihm sein Parteiamt die nötige Durchschlagskraft verleihen.
Wer auch immer von SPD – bei der Kandidatensuche noch ganz am Anfang – und CDU aufgestellt wird, Rottmann ginge nicht ohne Chancen in die Wahl. Sollte sie die Stichwahl mit dem Bewerber von CDU oder SPD erreichen, könnte sie hoffen, von den Anhängern des ausgeschiedenen Volkspartei-Kandidaten unterstützt zu werden. Es ist eine komfortable machtpolitische Ausgangssituation, die sich die Frankfurter Grünen verschafft haben.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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