Die Zahl der Flüchtlinge in Hessen wird sich im zweiten Halbjahr gegenüber dem ersten vermutlich nahezu verdoppeln: von 1700 auf 3000. Das ist eine Entwicklung, die Behörden und Bürger vor Herausforderungen stellt, was die Unterbringung der Menschen angeht, die aus vielerlei Gründen nach Deutschland gekommen sind. Schon im Sommer hatten sich diese Zahlen abgezeichnet, nun sind sie aufgrund der Prognose des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge konkreter geworden.
Wer Unterkünfte für die Flüchtlinge sucht und belegt, muss klug vorgehen. Gefragt sind das Land Hessen mit seinen Regierungspräsidien in Gießen und Darmstadt, aber nicht zuletzt die Städte und Landkreise, die für die Unterbringung zuständig sind. Wie es nicht geht, mag ein Blick nach Bayern zeigen: Dort will die Landesregierung in einem 2000 Einwohner zählenden Ort eine Gemeinschaftsunterkunft für rund 60 Flüchtlinge einrichten. Da scheinen Konflikte programmiert zu sein. Es gilt das rechte Maß zu finden zwischen dem Interesse einer Kommune und der Verpflichtung, Flüchtlinge unterzubringen - angemessen unterzubringen.
Groß nicht gleich gut
Dabei dürften große Unterkünfte vielleicht die praktikabelste, aber nicht unbedingt die beste Lösung sein. Dem Hessischen Flüchtlingsrat ist recht zu geben, wenn er vor möglichen Konflikten warnt - nicht nur in Städten, in denen große Unterkünfte stehen (sollen), sondern auch vor Spannungen unter den Flüchtlingen selbst.
Was die Erstaufnahme angeht, hat das Land Hessen bei der Bewältigung des wachsenden Flüchtlingsstroms durch das Mieten dreier Ausweichquartiere erst einmal das Nötige getan. Zu hoffen ist aber, dass demnächst eine dauerhafte Lösung gefunden sein wird, um die Erstaufnahme und damit auch die erste Anhörung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge besser gestalten zu können. Die Zeichen dafür stehen offenbar gut, wie Gespräche um eine Kaserne in Gießen und eine weitere Einrichtung zeigen, die die drei Zusatzquartiere ersetzen sollen. Selbst der Flüchtlingsrat übt kaum Kritik an diesem Verfahren, was schon etwas heißen will.