Die Innenansicht des Bistums Limburg, die 21 Priester in einem Schreiben darbieten, ist erschreckend, auch wenn unter der Hand vieles von dem, was sie aufgeschrieben haben, von haupt- wie ehrenamtlichen Mitarbeitern schon seit längerem so oder so ähnlich berichtet wird. Nun aber reden die Pfarrer, allesamt gestandene Seelsorger, Klartext.
Sie tun es nicht des Streites wegen, diese Geistlichen sind keine „Rebellen“. Ihr Ziel ist ein Neuanfang in der Diözese, und dieser ist tatsächlich überfällig. Immer wieder und zu lange schon ist darüber geklagt worden, dass es der Kirchenleitung an Kommunikationswillen mangele, dass Angst vor ihr herrsche und dass sie Entscheidungen autoritär treffe. Als Gejammer oder Schwarzmalerei kann man diese Klagen nicht abtun, sie sind Zeichen einer tiefer liegenden Krise: einer Vertrauenskrise „von oben“.
Eine Frage des Vertrauens
Das verträgt gerade die Kirche nicht, deren Auftrag es ist, Menschen miteinander zu verbinden, und die deshalb Vertrauen predigt. Wie soll sie das transportieren, wenn es ihr selbst nur unzureichend gelingt? Die Priester nehmen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und die Bistumsleitung zu Recht in die Pflicht, für deutliche Änderungen im Führungsstil zu sorgen. Sie haben ihr Anliegen schon lange vor den jüngsten Krisen um einen Indienflug erster Klasse oder das indiskutable Verhalten bei der Kündigung eines Einrichtungsleiters in Frankfurt formuliert.
Dass der Bischof das Papier der Geistlichen im Priesterrat beraten lässt, werten manche schon als großen Schritt. Aber er hat auch keine andere Wahl. Das Schreiben zu ignorieren, würde die Lage verschlimmern. Nun muss es nach der Debatte im Priesterrat auch in anderen Gremien besprochen werden - schließlich geht es nicht nur um das Befinden von Priestern, sondern um die Situation im gesamten Bistum.
Neue Impulse
Dass es aber Geistliche sind, die sich vor 18 Monaten erstmals zusammenfanden und deren Papier nun offiziell beraten wird, kann der Diskussion einen neuen Impuls geben, nicht nur weil ihr Schreiben auch im Vatikan Beachtung finden dürfte. Priester sind die engsten Mitarbeiter eines Bischofs, ihr Wort hat ein eigenes Gewicht, und allzu große Spannungen zwischen Klerus und Bischof sind auf Dauer schädlich - zumal wenn die Kritik, wie im Bistum Limburg, bis hinein ins Domkapitel reicht. Es muss etwas geschehen.
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