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Kommentar Kinotipp für Müller

 ·  Man darf gespannt sein, wie lange Wiesbadens Oberbürgermeister Müller an der Partnerschaft mit der Istanbuler Altstadt festhält. Denn auch evangelische Pfarrer sehen Fatih als Hochburg des Islamismus an.

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Man darf gespannt sein, wie lange Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) diese Linie noch weiterverfolgt: Stets hat er die Kritik an der von ihm angestrebten Städtepartnerschaft mit der Istanbuler Altstadt als Vorurteile abgetan. Jetzt haben die Pfarrer der evangelischen Kirche sich an Ort und Stelle ein eigenes Bild gemacht. Dabei bestätigte sich das Urteil der Fachleute, die Fatih als Hochburg des Islamismus sehen. Der Vergleich des Istanbuler Stadtteils mit Iran ist unmissverständlich. Es ist ein Verdienst der evangelischen Kirche, diese Einschätzung sorgfältig dokumentiert und maßvoll kommentiert zu haben.

Die Klage darüber, dass die Zahl der in türkischen Gefängnissen sitzenden Journalisten im vergangenen Jahr deutlich gestiegen sei, ist zwar nichts Neues. Aber sie ist für die Debatte über eine Partnerschaft mit Fatih von erheblicher Bedeutung. Bei einer Verwirklichung dieses Vorhabens würde die Vorstellung, dass offizielle Wiesbadener Delegationen im Zentrum Istanbuls fröhliche Feste feiern, während in der Nähe Menschen wegen ihrer Überzeugung hinter Gittern sitzen, brutale Realität.

“Die Einschätzungen der gesellschaftlichen Situation in Fatih mögen umstritten bleiben. Der Fraktion war es am Ende aber wichtiger, wie diese Partnerschaft gelebt werden wird“, hieß es in einer Pressemitteilung, mit der die CDU sich im vergangenen Sommer hinter Müllers Projekt stellte. Dass solche Sprüche ausreichen, um die jetzt anstehende Debatte auszuhalten, ist eher unwahrscheinlich.

Sie wird befeuert durch einen Film, der seit kurzem in Deutschland und der Türkei in den Kinos zu sehen ist. „Fetih 1453“ handelt von der Einnahme Konstantinopels. Der Titel klingt nicht nur beinahe so wie „Fatih“ Er meint exakt dasselbe, nämlich „Eroberer“. In der Geschichte kämpft der tapfere Held gegen den abscheulichen christlichen Kaiser Konstantin. Der vergnügt sich mit halbnackten Schönheiten und kippt in seiner Gier noch rasch den Rotwein hinunter, bevor er festgenommen wird. Westliche Kritiker beschreiben das Machwerk als eine einzige Verherrlichung des Heiligen Kriegs. Er wurde von der Stadt Istanbul finanziell unterstützt und gilt nicht nur als der teuerste, sondern auch als der erfolgreichste türkische Film überhaupt. Auch der Wiesbadener Oberbürgermeister sollte sich ihn ansehen.

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Jahrgang 1963, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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