Home
http://www.faz.net/-gzg-74stg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 03.12.2012, 23:22 Uhr

Kommentar Keine Panik

Demjenigen, der guten Journalismus schätzt, mag die Krise Anlass sein, darüber nachzudenken, ob ihm eine halbwegs ordentliche Tageszeitung nicht den Gegenwert einer Tasse Kaffee wert sein sollte.

Flüchtige Leser, Hörer, Zuschauer oder „User“ müssen angesichts der Nachrichten der vergangenen Wochen den Eindruck gehabt haben, die Zeitungswelt gerate aus den Fugen. In der Tat häuften sich die schlechten Nachrichten. Erst meldete die traditionsreiche „Frankfurter Rundschau“ nach immerhin fast siebzig Jahren Insolvenz an, auf Deutsch Zahlungsunfähigkeit, der Verlag Gruner + Jahr stellt nach einer Dekade guten Journalismus und schlechten Geschäfts die „Financial Times Deutschland“ ein, und dann meldet die Fachpresse auch noch, dass der „Wiesbadener Kurier“ seine Vollredaktion verliert.

Peter Lückemeier Folgen:

Natürlich sind das keine guten Nachrichten, das Ende der deutschen Ausgabe der „Financial Times“ ist ausgemacht und so bedauerlich, wie es der Verlust jedes intelligenten Blattes für die Stimmenvielfalt ist. Auf einen Fortbestand der „Rundschau“ hohe Wetten abzuschließen wäre riskant, aber gleichwohl: Besiegelt ist das Ende der linksliberalen Zeitung noch keinesfalls, nur wahrscheinlich. Und der „Wiesbadener Kurier“?

Mehr zum Thema

Er macht Gewinne. Wie übrigens viele deutsche Regionalzeitungen. Und der gesamte Verlag der Zeitungsgruppe Rhein-Main in Mainz, die den „Kurier“ und die „Allgemeine Zeitung“ und viele weitere Blätter herausgibt, erzielt ebenfalls Gewinne. Da dies auch weiter der Fall bleiben soll, versucht das Unternehmen, Synergien zu heben. Deshalb kann man die Zusammenlegung des Überregionalen in Mainz als den ersten Verlust einer Vollredaktion in einer deutschen Landeshauptstadt bewerten. Es geht aber auch eine Nummer kleiner, nämlich darum, dass fünf Redakteure aus Wiesbaden künftig in Mainz arbeiten werden und die Inhalte - Stichwort Synergie - von „Kurier“ und „Tagblatt“ aus demselben Verlag angepasst werden - davon geht die Welt nicht unter.

Krise ja, Untergang nein: So lässt sich fürs Erste und ohne Anspruch auf Nachhaltigkeit die Lage des Gedruckten zusammenfassen. Demjenigen, der guten Journalismus, insbesondere den teuren Lokaljournalismus, schätzt, mag die Krise Anlass sein, darüber nachzudenken, ob ihm eine halbwegs ordentliche Tageszeitung nicht den Gegenwert einer Tasse Kaffee wert sein sollte.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Potsdam Der Klotz soll nicht weg

In Potsdam wird über die Zukunft des alten Interhotels im Zuge der Neugestaltung des Lustgartens diskutiert. Stadtplanung war in Potsdam schon immer ein Streitthema. Und auch dieses Mal könnte es spannend werden. Mehr Von Mechthild Küpper

30.01.2016, 11:37 Uhr | Gesellschaft
WhatsApp, WeChat & Co. Die Zukunft von Messenger-Apps

Messenger-Dienste werden längst nicht mehr nur zum Versenden von Text- oder Bild-Nachrichten genutzt. In Zukunft wird man per WhatsApp, WeChat oder Line einkaufen, bezahlen und Geld verschicken können. Mehr

11.01.2016, 15:07 Uhr | Wirtschaft
Nach Silvester-Übergriffen Städte setzen viel mehr Polizei beim Karneval ein

Angesichts der Übergriffe in der Silvesternacht setzen viele Städte beim diesjährigen Karneval auf deutlich mehr Polizei. Köln verdoppelt die Zahl der eingesetzten Polizisten. Andere Städte planen mit Bodycams, Videoüberwachung – und Anlaufstellen für bedrängte Frauen. Mehr

03.02.2016, 05:50 Uhr | Gesellschaft
Internationale Raumstation Kaffeekochen im Weltall

Der Astronaut Tim Peake zeigt, wie man Kaffee auf der Internationalen Raumstation zubereitet. Das Objekt der Begierde steckt in einem Silberpäckchen mit der Aufschrift Kaffee mit Milch & Zuckerersatz und muss an eine spezielle Maschine angedockt werden. Mehr

20.01.2016, 08:14 Uhr | Gesellschaft
Repression in Ägypten Comic-Zeichner verhört, Wissenschaftler abgeschoben

Ein berühmter Cartoonist wird in Kairo verhaftet, erst nach einer Nacht kommt er frei. Auch ein Wissenschaftler aus Deutschland hat unlängst seine Erfahrungen mit den kafkaesken Behörden des Landes machen müssen. Mehr Von Christoph Borgans

02.02.2016, 10:46 Uhr | Politik

Pflicht zur Information

Von Ralf Euler

Vertuscht Hessens Polizei gezielt Straftaten von Flüchtlingen? Eine Reihe von Fällen erweckt diesen Eindruck. Den Finger in die Wunde zu legen, ist hilfreich. Mehr 47

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen