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Kommentar : Kein Sieg für die Umwelt

Das Aus für Block 6 von Staudinger ist nur ein scheinbarer Sieg der Umweltschutzverbände. Selbst große Spieler wie Eon sind nur noch Getriebene einer wetterwendischen Politik. Hessen droht dabei vollends ins Abseits zu geraten.

          Es ist nur ein scheinbarer Sieg der Umweltschutzverbände, den diese nach dem Aus der Pläne für den neuen Steinkohle-Block des Eon-Kraftwerks Staudinger feiern. Denn der Strom, der dort in einer vergleichsweise umweltfreundlichen Anlage erzeugt worden wäre, wird nun eben weiterhin in alten Kraftwerken anderswo produziert, die weitaus mehr Kohlendioxid ausstoßen.

          Die Energiewende mit dem Abschalten der ältesten Atommeiler hat vieles durcheinandergerüttelt, aber sie hat auch zu einer Renaissance der günstigen, aber auch eher umweltbelastenden Braunkohle-Verfeuerung geführt. Der Essener RWE-Konzern meldete gestern, er habe in den ersten drei Quartalen 2012 neun Prozent mehr Braunkohle-Strom verkauft als im gleichen Zeitraum 2011.

          Und niemand soll glauben, diese etablierten Formen der Stromerzeugung ließen sich so schnell ersetzen. Der Ausbau der Windkraft stockt selbst in der Nordsee, wo die größten Erträge zu erhoffen sind. Gestern stoppte der Energiekonzern ENBW eine milliardenschwere Investition in einen Windpark im Meer. Andere Erzeuger, so etwa die Frankfurter Mainova, sehen generell von Investitionen in solche Offshore-Windparks ab, weil sie ihnen als zu heikel erscheinen.

          In Hessen breitet sich in aller Stille die Sichtweise aus, selbst wenn hier in gewaltigen Mengen Strom verbraucht wird, sollten doch die Lasten der Erzeugung andere Regionen Deutschlands tragen. Biblis ist Geschichte, in Großkrotzenburg wird ein einziger Kraftwerksblock von einst fünf auf Dauer noch Strom liefern. Die vorübergehende Begeisterung für Windräder im Rhein-Main-Gebiet nach der Katastrophe in Japan hat sich gelegt, der Ausbau verfängt sich im planerischen Klein-Klein.

          Ohnedies wird Windkraft in dieser Region auf lange Sicht bloß symbolischen Wert haben. Selbst große Spieler wie Eon, die angeblich einmal den Staat im Griff hatten, sind nur noch Getriebene einer wetterwendischen Politik. Hessen droht dabei vollends ins Abseits zu geraten. Hoffentlich halten die Überlandleitungen, an deren Stabilität der Wohlstand dieses Raums mehr hängt denn je.

          Manfred  Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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