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Kommentar Kaum zu glauben

22.04.2010 ·  Die Staus in Hessen sind zurückgegangen – aber keiner merkt es. Und vor allem: Keiner glaubt es. "Ich bin schon hier", ruft der Stau den Verkehrsplanern zu, wenn sie sich am Ziel wähnen.

Von Hans Riebsamen
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Die Staus in Hessen sind zurückgegangen – aber keiner merkt es. Und vor allem: Keiner glaubt es. Für die hessische Landesregierung, die das Projekt „Staufreies Hessen 2015“ vor fünf Jahren aufgelegt hat, und für das Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen, das den Versuch ausführt, ist das bitter.

Dem Autofahrer geht es wie einem Vater mit seinem Sohn. Er merkt nicht, dass dieser Millimeter für Millimeter wächst. Es muss erst ein Onkel vorbeikommen, der den Filius nach Jahren zum ersten Mal wieder sieht und erstaunt ausruft: „Wie ist der Junge groß geworden!“ Jetzt, zur Halbzeit von „Staufreies Hessen“, reibt mancher sich verwundert die Augen: „Was, um 80 Prozent sind die Staus zurückgegangen?“

Nicht auf den Lorbeeren ausruhen

Das ist ein Erfolg, den anfangs keiner für möglich gehalten hätte. Allerdings kommen nun die fünf mageren Jahre. Die großen Potentiale zur Stauvermeidung sind ausgereizt. Jetzt wird es nur noch im Schneckentempo vorangehen.

Die Landesregierung und das Landesamt dürfen stolz sein, aber sich nicht auf dem Lorbeer ausruhen. Auf den Autobahnen geht es zu wie beim Märchen vom Hasen und dem Igel. „Ich bin schon hier“, ruft der Stau den Verkehrsplanern zu, wenn die sich wieder einmal am Ziel wähnen. Schnell wird der Erfolg, den man durch die Freigabe eines weiteren Seitenstreifens erreicht hat, aufgefressen durch einen weiteren Zuwachs an Autos und vor allem Lastwagen.

Mobilität ist das Ziel allen Bemühens

Deshalb gilt: Wer staufreie Autobahnen haben will, wird nicht umhinkommen, Güterverkehr stärker auf die Schiene zu verlagern. Dies aber bedeutet im Falle Hessens, dass der Eisenbahnknotenpunkt Frankfurt ausgebaut werden muss. Große Pläne sind schon viele gemacht worden, aber ihnen müssen endlich Taten folgen.

Mobilität ist das Ziel allen Bemühens. Freie Menschen in einer freien Gesellschaft müssen auch weiterhin die Möglichkeit besitzen, sich frei dorthin zu bewegen, wohin sie gehen, fahren, fliegen wollen. Dieses Privileg wird nur aufrechtzuerhalten sein, wenn die diversen Verkehrsmittel miteinander stärker vernetzt werden. Deshalb müssen beim Projekt „Staufreies Hessen“ auch Busse und Bahnen und sogar der Radverkehr mitbedacht werden. Jeder Pendler mehr im Zug macht zusätzlichen Platz auf den Autobahnen frei, jeder Radfahrer in Frankfurt entlastet die verstopften Straßen.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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