11.02.2012 · Der Energieversorger ENBW im Rhein-Main-Gebiet? Neu wäre das nicht. Der Karlsruher Konzern ist mit 15,1 der Mannheimer MVV Energie beteiligt, die wiederum 48,6 Prozent am Offenbacher Energieversorger EVO hält.
Von Manfred KöhlerMan liebt es verschachtelt in dieser Branche, die seit Jahren in einem Umbruchprozess steckt, der sich seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima noch einmal beschleunigt hat.
Die ENBW Energie-Baden-Württemberg AG wurde zuletzt zweimal durchgerüttelt: 2010 durch den unverhofften Einstieg des Landes Baden-Württemberg als Großaktionär, als der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) dem französischen Konzern EDF dessen 45-Prozent-Anteil abkaufte, 2011 dann durch das Atom-Moratorium der Bundeskanzlerin, mit dem zwei der vier Kernkraftwerke der ENBW (Philippsburg I und Neckarwestheim I) als Ertragsbringer wegfielen.
Seitdem bleibt bei ENBW kaum ein Stein auf dem anderen. Der Konzern wies für die ersten drei Quartale 2011 einen Verlust von einer halben Milliarde Euro aus, Vorstandschef Hans-Peter Villis warf das Handtuch, die grün-rote Landesregierung und die anderen Aktionäre, das sind Landkreise aus dem Südwesten Deutschlands, kündigten an, den Konzern stark auf erneuerbare Energien auszurichten. Um dies angesichts der roten Zahlen finanzieren zu können, beschloss man den Verkauf mehrerer Beteiligungen, so etwa an Kraftwerken in Polen, und kündigte einen gewaltigen Stellenabbau an; die Rede ist von 3.000 der 20.000 Arbeitsplätze. Zudem stellten die Aktionäre eine Kapitalspritze in Höhe von 800 Millionen Euro in Aussicht.
Detaillierte Pläne für den Umbau zu einem Ökostrom-Konzern hat ENBW bisher nicht vorgestellt. Derzeit steht nicht einmal fest, wer den Versorger künftig führen wird. Mit einem Umsatz in Höhe von 17,5 Milliarden Euro ist ENBW ungleich größer als der HSE-Konzern, der auf 3,7 Milliarden kommt (jeweils 2010). Wichtiger als die Expertise der Darmstädter für die Neuausrichtung von ENBW könnte der Geländegewinn sein, der mit einem Einstieg bei der HSE verbunden wäre, versorgt sie doch über ihre Tochtergesellschaft Entega Kunden in Südhessen und Mainz und bemüht sich zudem um Ökostrom-Kunden in ganz Deutschland. Zudem ist die HSE an mehreren Windkraft-Projekten beteiligt, so in Brandenburg und in der Nordsee.
Mit einem Einstieg der ENBW in Darmstadt würde die Karte der Energieversorger im Rhein-Main-Gebiet abermals neu gezeichnet. Bisher prägten neben den Stadtwerken Eon und RWE das Bild - Eon über seine Stadtwerke-Holding Thüga, die Anteile an der Mainova in Frankfurt, der Eswe in Wiesbaden und eben der HSE in Darmstadt hielt, RWE mit seiner Beteiligungsgesellschaft Süwag. Doch die Thüga ist verkauft und gehört jetzt weitgehend genau denjenigen Kommunalversorgern, an denen sie selbst Anteile hält - ein Geschäft, bei dem nur die Darmstädter nicht mitmachten. RWE wird sich durch den Verkauf der Süwag ebenfalls zurückziehen.
Das muntere Kaufen und Verkaufen darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kreis der Akteure letztlich überschaubar ist. Als neuer ENBW-Chef etwa wird unter anderem Ewald Woste gehandelt. Er führt gegenwärtig die Thüga. Und leitete zuvor die Mainova in Frankfurt.