Es ist lange her, dass der Frankfurter Zoo deutschlandweite Anziehungskraft ausübte. Menschen kamen aus Hamburg, München oder Berlin, nur um sich den Tiergarten anzusehen. Das lag zum einen am charismatischen Direktor Bernhard Grzimek, aber zum anderen auch daran, dass permanent in den Zoo investiert wurde und dieser als einer der modernsten Einrichtungen seiner Art in Europa galt.
Dieses Privileg hat der Frankfurter Zoo heute nicht mehr. Im Gegenteil, die Konkurrenz in Hannover oder Leipzig, die viel Wert auf „Show“ legt, hat im Bekanntheitsgrad mächtig aufgeholt. Lange Zeit wollte das niemand recht wahrhaben. Nun aber hat man offenbar realisiert, dass der hiesige Zoo ein Sanierungsfall ist.
Es ist dem Magistrat hoch anzurechnen, dass er 30 Millionen Euro für den Zoo bewilligt hat. Und es ist gut, dass Direktor Manfred Niekisch sehr umsichtig mit diesem Geld kalkuliert. Dennoch stellt sich schon jetzt die Frage, was geschieht, wenn die 30 Millionen aufgebraucht sind. Das könnte früher der Fall sein als erwartet.
Borgori-Wald ein Aushängeschild
Es wäre fatal, wenn das Vorhaben des Zoos, ein Natur- und Artenschutzzentrum zu werden, auf halber Strecke steckenbliebe und die schon jetzt maroden Gebäude immer weiter verfielen. Es wäre aber auch vermessen, noch einmal eine größere Summe von der Stadt zu fordern, denn der Zoo ist nicht die einzige Bildungseinrichtung, die dringend finanziert werden muss.
Man kann deshalb nur hoffen, dass die 30 Millionen Euro zumindest so weit reichen, dass der Zoo wieder an Attraktivität gewinnt. Im Fall des Borgori-Waldes hat es funktioniert. Er ist zum Aushängeschild geworden. Auch Bären- und Pinguinanlage oder die Präsentation nachgebildeter Ökosysteme könnten zu Magneten werden. Dadurch stiegen auch die Chancen, mit maßvollen Erhöhungen der Eintrittspreise und mit großangelegten Spendenaktionen mehr Geld für weitere Projekte einzuspielen.
Allerdings mutet der Zoo Frankfurt mit seinem Konzept den Besuchern etwas zu: Nicht Zerstreuung, sondern Bildung ist das Ziel. Ein Blick ins Ausland, zum Beispiel nach Rotterdam, zeigt, dass auch dieser hohe Anspruch beim Publikum gut ankommen kann.