Mit Opel und Neckermann scheinen gleich zwei traditionsreiche Unternehmen der Region gegenwärtig nicht gut zu fahren mit ihren amerikanischen Eigentümern. Hier wie dort wird jenseits des Atlantiks die Bedeutung der deutschen Konsensgesellschaft unterschätzt, die es Eigentümern eben nicht erlaubt, zu schalten und zu walten, wie sie wollen.
Mit Händen zu greifen ist dies beim Frankfurter Versandhändler, dessen Kauf die Finanzinvestoren von Sun Capital Partners angesichts fortdauernder Millionenverluste inzwischen schwer bereuen dürften. Die Hoffnung, die Zahl der Mitarbeiter kurzerhand nahezu halbieren zu können, hat sich zerschlagen. Sie ist in einen Nervenkrieg gemündet, in dem die Gewerkschaft Verdi wohlgemerkt nicht um den Erhalt der Arbeitsplätze kämpft, sondern bloß noch um Abfindungen, die das Ende etwas erträglicher machen würden.
Durch neue Unruhe wird es auch nicht besser
Bei Neckermann wird man sich einigen; beide Seiten haben zu viel zu verlieren. In Rüsselsheim hingegen hat mit dem neuerlichen Wechsel auf dem Chefposten auch ein neues Kräftemessen mit der Gewerkschaft begonnen. Schon tönt der IG-Metall-Vorsitzende Huber, sollte General Motors Standorte von Opel aufgeben wollen, würden dies die teuersten Werkschließungen der Geschichte.
Man wird sich in Detroit schon lange fragen, wer eigentlich Opel führt, und allemal ist die Frage legitim, inwiefern korporatistische Modelle Anpassungsprozesse derart erschweren, dass der Schaden größer ist als der Nutzen. Es wird aber auch nichts besser, wenn dauernd neue Unruhe in das Unternehmen getragen wird. Das demotiviert die Belegschaft und hilft auch nicht gerade dem Absatz.
Opel nicht in Fernost unterwegs
Verfahrensfragen in Krisenzeiten sind aber nur das eine. Ärgerlicher ist, dass den Zentralen in den Vereinigten Staaten weder im Fall von Neckermann noch bei Opel eine Vorwärtsstrategie einzufallen scheint. Das Versandunternehmen ist, wenn die letzten Textilien aus eigener Entwicklung abverkauft sind, künftig nur noch ein Online-Versandhändler unter vielen, ohne erkennbare Unterscheidung, was ein Dahindümpeln wahrscheinlicher erscheinen lässt als ein Aufblühen. Opel darf seine durchaus ansehnlichen Autos nach wie vor nicht auf den attraktiven Märkten in Fernost vertreiben.
In vielen anderen Konzernen mag die Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg bestens funktionieren. Für zwei Brandherde in Rhein-Main scheint das gegenwärtig überhaupt nicht zu gelten.