Die Entschlossenheit, mit der viele Schulen ihren Schülern den Einsatz von Handys untersagen, ist bewundernswert. Und unbedingt nachahmungswürdig. Längst hätte der Deutsche Bundestag Regeln dafür aufstellen müssen, wann und wo das öffentliche oder halböffentliche Telefonieren, das Herumspielen mit Blackberrys und iPhones verboten ist. Wer das zu hart findet, der soll sich vergegenwärtigen, dass es nichts Einschneidenderes gibt, als jungen Menschen an den Schulen den Umgang mit der mobilen Telefonie zu versagen, denn wann könnte ein einziges verspätetes Ja oder Nein unter einer Liebes-SMS schicksalhafter in den Gang des Lebens eingreifen als in so jungen Jahren?
Für Erwachsene also haben verschärfte Bestimmungen zu gelten. Mit der Höchststrafe müssten diejenigen bedacht werden, die während eines Essens ihr Smartphone aus der Tasche nesteln, um ihre E-Mails abzufragen. Sie tun so, als würden sie weiter dem Gespräch folgen, und werfen zerstreut Bemerkungen ein, die beweisen sollen, dass sie multitaskingfähig sind. Während diese Zeitgenossen ihrem Tun noch unterm Tisch nachgehen, öffnen andere bei Sitzungen ganz offen ihre Laptops und bearbeiten munter Texte und Tabellen. Längst sollte ein Wirtschaftsinstitut den Schaden ausgerechnet haben, der dadurch entsteht, dass kein Mensch mehr richtig zuhört.
Kann auch das Gehirn anregen
Freilich müsste auch das unfreiwillige Zuhören nicht sein. Vor allem in den Großabteilen des ICE, die in Wirklichkeit fahrende Büros sind, wird man bei der Lektüre eines Buches gern von Menschen unterbrochen, die am Handy noch schnell ferndiagnostisch eine Großrechenanlage steuern oder eine Strategie für das Meeting im Zielbahnhof absprechen müssen - in theaterreifer Lautstärke. Und neulich im Supermarkt bedauerten wir die junge Dame, die psychisch so stark gestört war, dass sie an den Regalen entlang permanent Selbstgespräche führte. Bis wir entdeckten, dass sie eine Kreuzung aus Kopfhörer und Mikro auf ihrer Ohrmuschel sitzen hatte.
Kann man die Sache aber auch positiv sehen? Kann man. Ein unfreiwillig angehörtes Telefongespräch versetzt unser Hirn nämlich ins Hellwache. Weil wir ja immer die Antworten imaginieren, die wir nicht hören können. Neulich im Wartezimmer, als die Blondine jemandem zuflüsterte: „Kann ich dir jetzt nicht erzählen, war aber super“, hat das die Synapsen der Zuhörer sicherlich in Bewegung gebracht.