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Kommentar Im eigenen Bett

18.04.2009 ·  Der Vorstoß der IHK, Kitas bis abends zu öffnen, zielt in die falsche Richtung. Die Lösungen müssen individueller gefunden werden. Auch die Arbeitgeber sind in der Pflicht.

Von Matthias Alexander
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Die Vorgabe mutet gigantisch an, um nicht zu sagen: utopisch. 4400 neue Erzieherinnen werden in Frankfurt in den nächsten fünf Jahren benötigt, um frei werdende Stellen wieder zu besetzen, den Betreuungsschlüssel zu erhöhen und die Kleinkindbetreuung auszubauen. Dabei ist es schon jetzt oft schwierig genug, qualifiziertes Personal zu finden. Das weiß jeder zu berichten, der dem Elternbeirat eines Kindergartens oder Horts angehört. Eine Auswahl der Bewerber nach Eignung wird faktisch nicht mehr möglich sein, wenn die Stadt und die freien Träger ihre ehrgeizigen Ziele erreichen wollen. Von den Kosten ganz zu schweigen.

Doch die Industrie- und Handelskammer hat noch einen drauf gesetzt. Die Öffnungszeiten der Kitas müssten ausgeweitet und generelle Schließzeiten am Samstag und in den Ferien abgeschafft werden, forderte eine Vizepräsidentin unlängst. Zur Begründung verwies sie auf die Flexibilisierung der Arbeitswelt, mit der die Kinderbetreuung Schritt halten müsse.

Solidarität der Kollegen gefragt

Nun fiele es leicht, sich über die IHK, einen unflexiblen Apparat mit festen Schließzeiten, der bei anderen Gelegenheiten gern den schlanken Staat propagiert, zu mokieren. Geschenkt. Aber auch in der Sache zielt der Vorstoß in die falsche Richtung. Kitas abends und am Wochenende zu öffnen, damit einzelne Kinder dort behütet werden, wäre mit übergroßen Kosten verbunden.

Die Lösungen müssen individueller gefunden werden. Hochqualifierzierte und gut bezahlte Arbeitskräfte sind aller Erfahrung nach in der Lage, die Betreuung privat zu organisieren. Aber auch die Arbeitgeber sind in der Pflicht. Nun kann es sich nicht jedes Unternehmen wie die Commerzbank leisten, eine betriebsnahe Kita oder gar einen Betriebskindergarten zu unterhalten. Zuschüsse für Babysitterkosten der Mitarbeiter wären eine Lösung. Die alleinstehende Mutter, die an der Supermarktkasse arbeitet, kann aber auch bei der Einteilung der Schichten bevorzugt behandelt werden. Da ist dann die Solidarität der Kollegen gefragt, die keine oder schon erwachsene Kinder haben. Am Ende sollte das Kindeswohl für alle obenan stehen: Ein Kind gehört am frühen Abend ins Bett und zwar ins eigene.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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