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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Ideale Spielverderberin

 ·  Dagmar Metzger ist eine Idealbesetzung für die Rolle der Spielverderberin von Rot-Rot-Grün. Eine geradezu geniale List der Geschichte ist es, dass sie ihre ablehnende Haltung gegenüber der Linkspartei biographisch beglaubigen kann.

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Dagmar Metzger hat eine anstrengende Woche hinter sich. Sie hat ihr Gewissen geprüft, wie es die Verfassung von ihr verlangt, sie hat sich für die öffentliche Konfrontation mit ihrer Parteivorsitzenden entschieden und sich dem zu erwartenden Ansturm von Parteigenossen und Medien gestellt. Dagmar Metzger hat harte Monate vor sich.

Jedes Mal, wenn sie in ihre Fraktion kommt, wird sie scheel angesehen werden. Von jenen, die glauben, die Darmstädterin habe ihre Minister- oder Staatssekretärinnenkarrieren verhindert. Und auch von jenen, die den Kurs von Andrea Ypsilanti für falsch hielten, ihre Bedenken aber für sich behielten oder es bei Einerseits-andererseits-Statements bewenden ließen. Der Aufrechte ist im Kreis der Kompromittierten ein Außenseiter.

Verweigerung gegenüber der Parteiräson

Metzger ist eine Idealbesetzung für die Rolle der Spielverderberin von Rot-Rot-Grün. Es ist eine hübsche Pointe, dass die Pläne der SPD-Chefin von einer Frau durchkreuzt werden, die für jenes tugendhaftere Machtverständnis steht, das Ypsilanti in ihrer Diplomarbeit Frauen grundsätzlich zugesprochen hat. Bezeichnend auch, dass eine Frau den Gehorsam gegenüber der vermeintlichen Parteiräson verweigert hat, die Politik nicht als Broterwerb betreibt, sondern einen bürgerlichen Beruf ausübt. Und es ist kein Zufall, dass Metzger einer sozialdemokratischen Dynastie angehört, die tief in der Geschichte der Partei verwurzelt ist.

Eine geradezu geniale List der Geschichte aber ist es, dass sie ihre ablehnende Haltung gegenüber der Linkspartei biographisch beglaubigen kann. Die gebürtige Berlinerin hat unter der deutsch-deutschen Teilung gelitten, weil die Mauer ihre Familie zerriss. 20 Jahre nach dem Mauerfall sei diese Untat nicht verjährt, argumentiert sie. Und deshalb verhindert sie die erste Verbrüderung von SPD und Sozialisten im Westen. Viele hessische Sozialdemokraten, denen diese authentische Leidenserfahrung fehlt, werden Metzgers Haltung als unangemessen und sentimental empfinden. Gut, dass sie jetzt noch mal eine Denkpause verordnet bekommen haben.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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