31.10.2007 · Andrea Ypsilanti darf wieder hoffen. Nach ernüchternden Meinungsumfragen, die die Genossen in Hessen zuletzt bei gerade einmal 30 Prozent ...
Von Ralf EulerAndrea Ypsilanti darf wieder hoffen. Nach ernüchternden Meinungsumfragen, die die Genossen in Hessen zuletzt bei gerade einmal 30 Prozent sahen, spürt die SPD-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl nun Rückenwind aus Berlin. Mit seiner Forderung nach einer verlängerten Zahlung von Arbeitslosengeld I und der allmählichen Abkehr von der Agenda 2010 vollzieht der SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck das, was Ypsilanti bereits seit Jahren fordert.
Zudem hat sich Ypsilanti ein „Schattenkabinett“ zusammengestellt, das den Vergleich durchaus nicht scheuen muss. Mit Hermann Scheer, Bundestagsabgeordneter und Träger des Alternativen Nobelpreises, und Rainer Domisch, deutscher Experte im finnischen Bildungsministerium, stehen ausgewiesene Fachleute für die Ressorts Wirtschaft und Umwelt beziehungsweise Schule bereit, Gleiches gilt für den früheren Fraktionsvorsitzenden Jürgen Walter (Inneres) und die SPD-Rechtsexpertin im Landtag, Nancy Faeser (Justiz). Der gestern als Schatten-Finanzminister nominierte Reinhard Kahl ist ein Pragmatiker mit kühlem Kopf, und SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt, dessen hitziges Temperament ihn bei seinen Attacken gegen die Regierungspartei gelegentlich am Ziel vorbeischießen lässt, möglicherweise nicht die schlechteste Wahl für die Führung der Staatskanzlei.
Nicht zuletzt das Versprechen, für mehr Lehrer und mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen, dürfte die Popularitätswerte der Hessen-SPD bei der nächsten Umfrage auf Werte jenseits der 30-Prozent-Marke treiben. Die für Ypsilanti entscheidende Frage bleibt jedoch, ob sie ihre Partei in Regionen führen kann, die eine rot-grüne Mehrheit realistisch erscheinen lassen. Die Alternative – eine rot-grüne Regierung unter Beteiligung oder mit Duldung der Partei „Die Linke“ – dürfte nämlich selbst aus Sicht vieler Sozialdemokraten eine Horrorvision sein.