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28.03.2008 ·  Die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Sun Capital soll die Geschäfte bei Neckermann richten. Einfach wird es nicht, die Deutschen angesichts der Konsumflaute zu vermehrtem Bestellen ausgerechnet bei Neckermann zu bewegen.

Von Manfred Köhler
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Lange her sind die Zeiten, als die Frankfurter noch an einer Neckermann-Tankstelle tanken und in einem Neckermann-Kaufhaus auf der Zeil einkaufen konnten. Wer nicht gerade die Hanauer Landstraße entlangfährt, mag fast vergessen, dass Frankfurt nach wie vor Sitz eines der größten Versandhäuser Deutschlands ist – leider nicht eines der erfolgreichsten.

Mit Neckermann dürften die meisten zuerst wohl Erinnerungen an das Wirtschaftswunder verbinden, als das Land bei Neckermann seinen ersten Kühlschrank bestellte, mit Neckermann auf Reisen ging und womöglich sogar bei Neckermann eine Schweinehälfte orderte (mit diesem Angebot versetzten die Versender 1966 die Metzger landauf, landab in Angst und Schrecken).

Harte Zeiten stehen bevor

Tatsächlich sind diese glorreichen Zeiten lange vorbei. Schon Mitte der Siebziger wandelte die Zeitschrift „Stern“ den populärsten Slogan des Versandhauses in „Neckermann hat’s nötig“ um. Zu lange hatte der charismatische Unternehmensgründer auf den Umsatz, nicht hingegen auf die Rendite geblickt. Karstadt stieg ein, doch richtig glücklich wurde der Essener Konzern mit dem Frankfurter Versandhaus wohl nie. Auch die erhofften Synergieeffekte mit Quelle in Fürth blieben aus.

Dass es nun eine amerikanische Beteiligungsgesellschaft, vulgo Heuschrecke, richten soll, nachdem ein deutscher Familienunternehmer nach den Mühen des Aufstiegs an den Mühen der Ebene scheiterte und auch ein deutscher Handelskonzern letztlich nicht mit Neckermann reüssierte, zählt zu den eigentümlichen Wendungen in der Wirtschaftsgeschichte. Beteiligungsgesellschaften werden gemeinhin mit Argusaugen betrachtet; Sun Capital verweist allerdings darauf, dass bei einem anderen deutschen Unternehmen (aus der Baubranche) am Ende einer zweieinhalbjährigen Restrukturierung die Mitarbeiterzahl doppelt so hoch gewesen sei wie am Beginn.

Das eigentliche Geschäft überlassen die Amerikaner ohnedies einem Österreicher, dem künftigen Neckermann-Chef Martin Lenz, der im Nachbarland schon für Quelle und Rewe gearbeitet hat und als Sanierungsexperte gilt. Einfach wird es nicht sein, die Deutschen vor dem Hintergrund der fortdauernden Konsumflaute zu vermehrtem Bestellen ausgerechnet bei Neckermann zu bewegen. So stehen dem Unternehmen und seinen nach Tausenden zählenden Mitarbeitern harte Zeiten bevor. Aber leicht war es für Neckermann sowieso nur in den Aufbaujahren, als die Deutschen noch den Glauben hatten, alles sei möglich – und Neckermann mache das schon für sie.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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