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Kommentar : Hessen vorn

Wird’s ein gutes Jahr? Oder kommt es wie immer, weder durchweg gut noch richtig schlecht? „Hinter der Hacke ist es dunkel“, sagt der Bergmann, will heißen: Wer weiß, was alles so zutage tritt.

          Wird’s ein gutes Jahr? Oder kommt es wie immer, weder durchweg gut noch richtig schlecht? „Hinter der Hacke ist es dunkel“, sagt der Bergmann, will heißen: Wer weiß, was alles so zutage tritt. Das macht die Hessen nicht bang. 38 Prozent der Hessen sehen der Zukunft mit Zuversicht entgegen, optimistischer als alle anderen Deutschen.

          Überhaupt, die Statistik. Sie sagt mehr über Vergangenheit und Gegenwart als über die Zukunft, aber sie gibt Hinweise, wo die Hacke in diesem Jahr anzusetzen ist. Beim Gewicht nicht unbedingt. Mit 75,7 Kilogramm ist der Hesse Mittelmaß unter den Deutschen. Der Leichtmatrose ist der Berliner mit 74,2 Kilogramm, und der BigMac ist in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause (77,5 Kilogramm). Kein Wunder, dass in Meck-Pomm mehr Menschen Bluthochdruck haben als anderswo. Vermutlich regen sie sich furchtbar auf, wenn das Essen nicht beizeiten auf dem Tisch steht. Hessen nimmt, blutdruckmesstechnisch gesehen, einen gesunden Mittelplatz ein.

          Mit großem Abstand auf dem letzten Platz

          Auch in der Rubrik „Anteil der Menschen mit ungesundem Alkoholkonsum“ herrscht in Hessen ein ausgewogener Pegelstand. Die Heimat des Sturztrunks liegt in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Brandenburg dagegen scheint weitgehend trocken. Kurzum: Essen, trinken und Gewicht können in diesem Jahr so bleiben. Natürlich sollen die Dicken weniger essen und die Schluckspechte weniger trinken, und wer Bluthochdruck hat, muss etwas dagegen tun, aber im Großen und Ganzen ist alles im Lot.

          „Hessen vorn“, gibt es das denn gar nicht mehr? Doch: Mit großem Abstand auf dem letzten Platz, also ganz vorn, liegt Hessen bei der Zahl der Fahrraddiebstähle: nur 51 Fälle je 10.000 Einwohner. In Bremen sind es unfassbare fünfundzwanzigmal so viele. In keinem anderen Bundesland fallen außerdem so wenige Bewerber durch die theoretische und die praktische Fahrprüfung wie in Hessen, Offenbach eingeschlossen. Wer einen Führerschein hat, muss eben nicht anderer Leute Fahrrad mopsen.

          Wo sollte sich Hessen in diesem Jahr besonders anstrengen? Bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren müsste mehr geschehen. Und der Erfindergeist müsste wachgeküsst werden. Die Zahl der in Hessen angemeldeten Patente ist in den letzten Jahren besorgniserregend zurückgegangen. Doch alles in allem wird es Hessen auch im heute beginnenden Jahr besser gehen als vielen anderen Bundesländern. Zweiflern sei das Motto des Mainzer Historikers Andreas Rödder empfohlen: „Alles wird schlechter, aber früher war es auch nicht besser.“

          Quelle: F.A.Z.

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