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Kommentar : Hessen im Glück

  • -Aktualisiert am

Die Umfrage der Landesregierung bescheinigt glückliche Hessen. Doch die Stimmung kann trügen: Wer die falschen Fragen stellt, bekommt selten richtige Antworten.

          96 Prozent der in Hessen lebenden Menschen fühlen sich im Lande wohl, und 83 Prozent sehen für sich und ihre Familien hier eine positive Perspektive. Beeindruckende Werte; doch was sagen sie aus? Bedeuten die im Auftrag der schwarz-gelben Landesregierung ermittelten Zahlen, dass zwischen Kassel und Darmstadt alles in Butter ist? Bildung, Soziales, Energiewende, Integration, Sicherheit, Haushaltskonsolidierung - alles prima?

          Tatsächlich fühlen sich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und sein Stellvertreter, Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP), durch die Ergebnisse des „Zukunftsmonitors Hessen“ in ihrer Tätigkeit weitgehend bestätigt. Die ermittelten Zufriedenheitswerte seien „ein wichtiges Signal und eine großartige Botschaft“, verkündeten sie gestern gut gelaunt in Wiesbaden. Die Ergebnisse würden in die künftige Politikgestaltung des Landes einbezogen, was offenbar heißen soll: weiter so. Kein Wunder, dass die Opposition bei der Regierung einen Mangel an Gestaltungswillen beklagt.

          Regierung stellte unbequeme Fragen nicht

          86 Prozent der Hessen wünschen sich für die Schulen „Wahlfreiheit bei vielfältigen Bildungsangeboten“, nur 25 Prozent eine Abschaffung der unterschiedlichen Schulformen. Danach, wie die Meinungen in der Debatte über die umstrittene Gymnasialschulzeit - G8 oder G9 - verteilt sind, wagte die Regierung nicht zu fragen, genauso wenig wie beispielsweise nach der Zustimmungsquote zum gemeinsamen Unterricht behinderter und nichtbehinderter Schüler oder nach der Meinung der Bürger zur steigenden Zahl von Windrädern in der Landschaft.

          Merke: Wer die falschen Fragen stellt, bekommt selten richtige Antworten. Stimmungserkundungen à la Bouffier und Hahn können sogar extrem in die Irre führen. Die beiden Hauptdarsteller der Landespolitik sollten sich nicht zu sehr in Sicherheit wiegen, selbst wenn auch eine in diesen Tagen veröffentlichte Studie des Versicherungskonzerns Allianz in die gleiche Richtung zu weisen scheint. Demnach blicken 45 Prozent der Hessen zuversichtlich auf das nächste Jahr, 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und ein höherer Anteil als in jedem anderen Bundesland.

          Der Regierungschef mag das darauf zurückführen, dass Hessen von CDU und FDP bestens regiert werde. Angesichts einer Wahlumfrage des Hessischen Rundfunks, die für das Land eine rot-grüne Mehrheit prognostiziert, könnte es aber auch sein, dass sich die Hoffnung jener 45 Prozent auf einen möglichen Regierungswechsel im nächsten Jahr gründet.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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