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Kommentar Haut und Knochen

30.01.2007 ·  Der rote Stier ist längst geschlachtet. Das Filetstück haben sich die Grünen gesichert, die Innereien eignet sich zusehends die Linkspartei an. Bei der Oberbürgermeisterwahl haben die Frankfurter aus der SPD Hackfleisch gemacht. - Ein Kommentar von Hans Riebsamen.

Von Hans Riebsamen
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Der rote Stier, der einst Frankfurt beherrschte, ist längst geschlachtet. Das Filetstück haben sich die Grünen gesichert, die Innereien eignen sich zusehends die Postkommunisten von der Linkspartei an. Der SPD ist der Rest des Kadavers geblieben. Die Haut haben die Sozialdemokraten ausgestopft und nennen diesen potemkinschen Stier Volkspartei.

Am vergangenen Sonntag bei der Oberbürgermeisterwahl haben die Frankfurter aus der SPD und ihrem Kandidaten Franz Frey Hackfleisch gemacht. Das ist nichts Neues, erst vor einem knappen Jahr bei der Kommunalwahl drehten die Wähler die Sozialdemokraten wieder einmal durch den Wolf. Die Rinderbrühe à la SPD hat seit langem nur noch einen Wähleranteil von 20 bis 30 Prozent. Jetzt, da mit Frey auch noch der Chefkoch abhanden gekommen ist, müssen sich die Frankfurter Genossen wohl vorerst mit einer wässrigen Consomme begnügen - möglicherweise nach dem Rezept der Europawahl von 2004 gebrüht, als die Sozialdemokraten mit 19,3 Prozent unter der 20-Prozent-Marke landeten.

Es fehlen Führungspersönlichkeiten, Ziele, Ideen

Nachdem der Parteichef Frey sein Ausscheiden angekündigt hat, dürfte auch der letzte Genosse merken: Vom starken roten Stier sind nur noch Haut und Knochen übrig geblieben. Es fehlen Führungspersönlichkeiten, Ziele, Ideen - und der Machtwille. Nach dem Ende der Frankfurter Viererkoalition sah die eine Hälfte der Partei ihr Heil in der Opposition, die andere wollte - allerdings nur halbherzig - in einer Großen Koalition weiter mitregieren. Am Ende hat die CDU die Entscheidung getroffen - verständlicherweise für das Filet aus dem Feinkostgeschäft der Grünen.

In absehbarer Zeit werden die Frankfurter Sozialdemokraten nicht mehr am Tisch der Macht sitzen. Sie werden die nächsten vier Jahre bis zur Ende der Wahlperiode, wahrscheinlich sogar die nächsten zehn Jahre Zeit haben, sich neue Rezepte auszudenken. Wenn freilich weiterhin viele Köche - Linke, Rechte, Netzwerker, Strippenzieher, Ortsvereinsmeier - ihr jeweils eigenes Süppchen kochen, werden die Gäste ganz ausbleiben.

Mittelschicht erwartet mehr als Hausmannskost

Ohnehin müssen die Sozialdemokraten ihren Restaurationsbetrieb diversifizieren. Einfache Hausmannskost nach dem Rezept „Mehr Staat, mehr Geld, mehr Fürsorge“ mag der Unterschicht schmecken. Aber die Stadt besteht in ihrer Mehrheit nicht aus Beziehern von Arbeitslosengeld II, sondern zum Beispiel auch aus halbwegs gutverdienenden Angestellten in den Bankentürmen und Dienstleistungsunternehmen. Diese neue Mittelschicht erwartet eine raffiniertere Speisekarte.

Und selbst wenn die SPD auf der Überzeugung beharren sollte, zuerst und vor allem die klassischen Arbeitnehmer bedienen zu müssen, so sollte sie diesem Stammklientel zumindest auch das servieren, was sie am dringendsten braucht, nämlich neue Jobs. Doch nicht einmal für den Flughafenausbau, der Frankfurts Wirtschaftskraft sichern würde, tritt die einstige Arbeiterpartei unzweideutig ein. Wenn sich nicht bald vieles ändert in der SPD, bleibt vom roten Stier nur noch ein Rindswürstchen übrig.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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