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Kommentar Guter Rat ist nötig

07.04.2009 ·  Es ist gut, dass der Rat der Religionen die Überwindung theologischer Differenzen nicht in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt. Er soll ja ein Gremium sein, das einen Beitrag zu einem besseren soziale Klima in Frankfurt leistet.

Von Stefan Toepfer
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Dass fromme Menschen beten, ist klar. Dass sie gemeinsam, religionsübergreifend beten, nicht. Deswegen blieben die Vertreter des neuen Frankfurter Rats der Religionen auf die Frage, ob sie vor ihren Sitzungen beteten, einen Moment lang stumm. Wen sollten Juden, Christen, Muslime, Buddhisten, Hinduisten und die anderen Religionsvertreter auch gemeinsam anrufen?

Es ist gut, dass der Rat die Überwindung theologischer Differenzen nicht in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt. Er soll ja kein religiöser Einheitsrat sein, sondern ein Gremium, das die Stadtpolitik berät und einen Beitrag zu einem besseren sozialen Klima in der Stadt leistet. Da ist guter Rat nötig. Leider hat die Runde gestern die erste Chance dazu verpasst. Warum hat sie sich nicht klar für einen islamischen Religionsunterricht ausgesprochen? So blieb es eher bei allgemeinen Aussagen. Die erste Bewährungsprobe für die argumentative Macht der Ratsmitglieder dürfte in Frankfurt jedenfalls nicht lange auf sich warten lassen.

Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) tat gut daran, die Initiative zur Gründung des Rats zu fördern, ohne ihn eng an die Stadtverwaltung anzubinden. Überzeugend legte sie gestern dar, worin auf der Suche nach „gemeinsamen Werten“ in der Stadt der Nutzen des Gremiums für die Integrationspolitik liegen kann.

Nun kommt es auf zweierlei an: Die Ratsmitglieder müssen ihre Beschlüsse auch in ihren eigenen Religionsgemeinschaften vermitteln – sonst droht die Gefahr, dass ihre Treffen folgenlos bleiben und sie nicht die „breite Gesellschaft“ erreichen, wie es der Ratsvorsitzende Athenagoras Ziliaskopoulos formuliert hat.

Zudem sollte es gelingen, den großen türkisch-islamischen Ditib-Verband in den Rat zu holen, um diesem mehr Gewicht zu geben. Ditib will zunächst nur einen Beobachterstatus einnehmen. Grund ist eine offenbar recht tiefsitzende Abneigung gegen die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen, die im Rat vertreten ist. Alte Streitereien, wer die Muslime wahrhaftig vertritt, sollten aber langsam beiseite gelegt werden. Dazu sollte auch Ditib irgendwann über seinen Schatten springen; es scheint, als sähen dies einige seiner (jüngeren) Mitglieder inzwischen auch so. Dass auch ohne Ditib ein Anfang gemacht wurde, ist aber richtig. Magistrat und Stadverordnete sollten von dem Rat des Rats rege Gebrauch machen.

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Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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