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Kommentar : Gut nur, wenn es beiden dient

Bei der von Offenbachs Rathauschef Schneider eingefädelten Kooperation mit Frankfurt dürfte Euphorie kaum angebracht sein. Für beide Städte geht es darum, wie sie einvernehmlich akute Probleme ihrer Kommunen lösen können.

          Es soll ein Modell für ein neues Miteinander der Metropole und seiner Nachbarn sein: Der kommunale Frankfurter Wohnungsbaukonzern ABG errichtet in Offenbach 50 Sozialwohnungen, zudem 118 freifinanzierte Wohnungen. Die Oberbürgermeister beider Städte, Peter Feldmann, Frankfurt, und Horst Schneider, Offenbach (beide SPD), nehmen die Region in den Blick und werben für die Kooperation der Nachbarstädte. Dagegen ist nichts zu sagen. Den Realitätstest hat die neue Gemeinsamkeit aber noch vor sich.

          Gefühle der Zusammengehörigkeit haben Frankfurt und Offenbach seit Ende der achtziger Jahre immer wieder umschlichen. Da war die Entwicklung des Kaiserlei-Stadtteils an der Nahtstelle der Städte. Während Offenbach in Teilen die brachliegenden oder unzureichend genutzten Grundstücke entwickelte, gab sich die Frankfurter Stadtplanung enthaltsam - trotz des städtebaulichen Vertrags, den noch der Planungsdezernent Martin Wentz, auch er ein Sozialdemokrat, unterschrieben hatte. Man hatte im Römer kein Interesse daran, sich im Osten Frankfurts mit einem aufstrebenden Dienstleistungsstandort, der zum größeren Teil auf Offenbacher Gemarkung liegt, Konkurrenz zu machen. Mit fast einem Vierteljahrhundert Zeitverzug will Frankfurt jetzt auch die Entwicklung seiner Grundstücke anpacken.

          Frankfurter Eigeninteresse

          Dass sich Frankfurt mittlerweile bereitgefunden hat, den Offenbacher Finanzanteil zum Rückbau des Kaiserlei-Kreisels zu übernehmen, beantwortet ebenso wenig die Frage nach dem Verhältnis der Nachbarstädte zueinander. Denn auch in dieser Hinsicht hat Frankfurt ein Eigeninteresse daran, die Verkehrsströme im Kaiserlei-Gebiet neu zu gliedern, geht doch der Neubau der Europäischen Zentralbank seinem Ende entgegen. Ein nicht geringer Teil des dadurch ausgelösten Verkehrs aber wird künftig durch das Offenbacher Kaiserlei-Gebiet führen.

          Bei der von Schneider vehement eingefädelten Kooperation mit Frankfurt dürfte Euphorie kaum angebracht sein. Für beide Städte geht es darum, wie sie einvernehmlich akute Probleme ihrer Kommunen lösen können. Wenn das zum Vorteil beider Partner sein sollte, ist das schön. Doch sollte die Römerspitze nicht der Versuchung erliegen, die Schwierigkeiten, denen die immer noch finanziell gutgepolsterte Metropole gegenübersteht, auf ihre ärmeren Nachbarn zu verlagern.

          Anton Jakob Weinberger

          Freier Autor für die Rhein-Main-Zeitung in Offenbach.

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