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Kommentar Gut gemeint, schlecht gemacht

 ·  Nur wenige Wochen nach dem Baubeginn ist das chinesische Kurzentrum in Bad Orb vorerst gescheitert. Eine ehrenwerte, seit mehr als zwei Jahrzehnten dort erfolgreiche Akupunkturärztin, hat sich aus Sorge um ihre neue Heimatstadt mit dem Vorhaben übernommen.

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Deutschlands Kurstädte stecken zu einem großen Teil seit zwei Jahrzehnten in der Krise. Staatliche Reformen haben die klassische Badekur stark zurückgedrängt, die Gäste blieben aus. Mit zudem überalterten Strukturen war kein Staat mehr zu machen. Kureinrichtungen konnten jedoch mangels Geld nicht saniert und modernisiert werden. Um neue Gäste zu gewinnen, sind seit langem gute Konzepte gefragt, die dazu taugen, auf der neuen Wellnesswelle mitzuschwimmen. Vor allem aber werden Investoren gebraucht, die Konzepte tatsächlich umsetzen.

Wie schwer das besonders für nichtstaatliche Badeorte ist, zeigt der Fall Bad Orb. Hier lebt die Hälfte der Bevölkerung von der Kur. Die Spessartstadt ist gesegnet mit einer heilkräftigen Quelle, mit einem milden Klima, sie bietet eine schöne Altstadt inmitten herrlicher Natur, hat bekannte Kurkliniken und viele private Pensionen. Und dennoch: Seit Jahrzehnten ist ein Investorenprojekt nach dem anderen gescheitert.

Mehrere Ursachen des Scheiterns

Die Badestadt, in den frühen achtziger Jahren einmal nach Übernachtungszahlen Deutschlands größtes nichtstaatliches Bad, ist verarmt. Da tauchte in größter Not, als sich wegen Sicherheitsmängeln schon die Zwangsschließung des Leopold-Koch-Bades - das Herz der Kur - abzeichnete, die Idee vom Chinesischen Kurparadies als Ersatz auf. Die Verknüpfung deutscher und chinesischer Kurmedizin und deutschem und chinesischem Business, das versprach Erfolg, das war etwas, was es in Deutschland noch nicht gab und nicht gibt. Die Bevölkerung war begeistert, glaubte wieder an die Zukunft, der Bürgermeister und die Initiatorin wurden in China in höchsten Regierungskreisen empfangen, Bad Orb sollte zum Symbol deutsch-chinesischer Freundschaft werden.

Daß dieses einzigartige Vorhaben schon wenige Wochen nach dem groß gefeierten Baubeginn vorerst gescheitert ist, hat mehrere Ursachen. Eine mag sein, daß Behörden nicht sensibel genug gehandelt haben. Eine andere, daß die chinesischen Partner zu sensibel sind und den Geldhahn erst gar nicht aufgedreht haben. Für sie sind wir sicher genauso exotisch wie sie für uns und deshalb besonders vorsichtig, wenn Behörden querschießen.

Gut gemeinter Versuch

Der Hauptgrund ist freilich darin zu sehen, daß Jin Mei Wang, eine ehrenwerte, seit mehr als zwei Jahrzehnten in Bad Orb erfolgreiche Akupunkturärztin, sich aus Sorge um ihre neue Heimatstadt mit dem Vorhaben übernommen hat. Dem gut gemeinten Versuch, dem Heer der ewig Jammernden mit Taten entgegenzutreten, war sie nicht gewachsen. Auf ungewohntem Parkett als Projektentwicklerin hat sie versagt. Ihre Idee freilich bleibt, und den Grundstein zur Verwirklichung hat sie gelegt. Nun sind alle diejenigen gefordert, die wissen, wie man es besser macht, damit der Orber Traum nicht ein zweites Mal zerplatzt.

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Von Matthias Alexander

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