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Kommentar Grünes Normalmaß

 ·  Wenn es zu Fehden unter grünen Stadtverordneten und zu Spaltungen in Kreisverbänden gekommen ist, zeigt dies nur eins: Die Grünen sind eine normale Partei mit deren normalen Problemen.

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Nach der hessischen Kommunalwahl im Frühjahr 2011 haben die Grünen vor Selbstbewusstsein nur so gestrotzt. Ihre Bäume schienen, wenn nicht in den Himmel, so doch in die Höhen der alten Volksparteien zu wachsen. In Frankfurt überflügelten sie die SPD, in Darmstadt wurde einer von ihnen Oberbürgermeister, in vielen anderen Kommunen konnten sie ihren Anteil verdoppeln oder zumindest stark erhöhen. Nichts schien die Grünen aufhalten zu können.

Nun, da der Fukushima-Effekt verpufft und die Piraten mit vollen Segeln auf die Parlamente zusteuern, sind die Grünen wieder auf Normalmaß gestutzt. Sie werden sich wohl weiterhin und wahrscheinlich noch für lange Zeit mit dem dritten Platz hinter CDU und SPD begnügen müssen. Im Saarland rutschten sie gerade noch so in den Landtag, in Frankfurt ging ihre Oberbürgermeisterkandidatin sang- und klanglos unter, in einigen Kommunalparlamenten bekamen sich Mitglieder grüner Fraktionen in die Haare.

Nahe am alten Normalzustand

Streit unter Parteimitgliedern ist in Demokratien freilich nichts Außergewöhnliches. Der schlimmste Feind ist meistens der Parteifreund, heißt es oft sarkastisch. Früher gehörten heftigste Flügelkämpfe bei den Grünen zum Normalzustand, Fundis und Realos bekriegten sich oft gnadenlos. Diese Phase hat die Ökopartei überwunden. Die Irren und Querulanten haben die Partei längst verlassen, die beiden Flügel sind zwar geblieben, doch geht man jetzt recht zivilisiert miteinander um.

Wenn es wie in den vergangenen Wochen zu Fehden unter grünen Stadtverordneten und zu Spaltungen in Kreisverbänden gekommen ist, zeigt dies nur eins: Die Grünen sind eine normale Partei mit deren normalen Problemen. Was ihnen mehr Sorgen machen muss als lokale Unstimmigkeit, ist der Großtrend.

Und der besagt, dass Protestwähler nicht mehr automatisch für die Grünen votieren, sondern sich zusehends für die Piraten begeistern. Die Grünen verlieren ihre bequeme Doppelposition als Auffangbecken für grundsätzlich Unzufriedene und als Motor für eine realpolitische ökologische Veränderung mit starkem sozialem Einschlag. Sie können sich damit trösten, dass jetzt den Piraten die zermürbenden Positionierungskämpfe bevorstehen, die sie einst durchgemacht haben.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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