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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Gründlich aufgemischt

 ·  Dass das Pauschalurteil, die Frankfurter Freien Gruppen seien ästhetisch von gestern, die Theatermacher verstört hat, muss keinen wundern. Aber womöglich steckt dahinter die politische Absicht, die Szene gründlich aufzumischen.

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Der Aufruhr in der Freien Szene lässt sich verstehen. In der von den Grünen organisierten ersten öffentlichen Diskussion über den Abschlussbericht einer Perspektivkommission zur Lage der unabhängigen Bühnen brach sich der Unmut der Theaterleute lautstark Bahn. Schließlich ließen die von Kulturdezernent Felix Semmelroth beauftragten Verfasser kein gutes Haar an den Betroffenen. Heimlich, still und leise hatten die vier Fachleute Vorstellungen besucht und sich in den Abspielstätten umgesehen, mit den Akteuren aber sprach niemand.

Diese Vorgehensweise stieß zu Recht auf harsche Kritik. Und dass das Pauschalurteil, die Freien Gruppen seien überaltert und ästhetisch von gestern, die Theatermacher nachhaltig verstört hat, muss keinen wundern. Aber womöglich steckt hinter der Veröffentlichung gerade die politische Absicht, die Szene gründlich aufzumischen und auf Umverteilungen vorzubereiten.

Unterschämter Ton

Doch das Papier schlägt nicht nur einen herablassenden bis unverschämten Ton an, es vermischt auch auf unzulässige Weise die Handlungsebenen: Die Autoren beklagen die mangelnde ästhetische Innovationskraft und internationale Anbindung von Gruppen, die dergleichen zu leisten nie im Sinn hatten und es wegen der geringen städtischen Zuschüsse auch gar nicht könnten. Von finanziell karg ausgestatteten Häusern wie dem Titania oder dem Gallustheater werden Produktionen erwartet, wie sie einzig der ordentlich subventionierte Mousonturm zu stemmen in der Lage ist. Das Künstlerhaus ist aber auch der gleichsam natürliche Ort für Gastspiele experimentierfreudiger, spartenübergreifend arbeitender Performancegruppen.

Um den Mousonturm können andere Städte Frankfurt nur beneiden. Allenfalls vier bis fünf Häuser dieser Art lassen sich in Deutschland aufzählen. Der Einstand des neuen Mousonturm-Leiters Niels Ewerbeck mit dem „Lüften“-Festival rund um die Jahrhunderthalle hat gezeigt, dass neue Formsprachen in den darstellenden Künsten gewiss auch künftig in Frankfurt eine bedeutende Rolle spielen. Allerdings: Die Besucher blieben aus. Der Mousonturm muss jetzt mit dem finanziellen Defizit allein fertig werden. Daher stellt sich auch die Frage, ob die Verschmelzung aller möglicher Kunstformen tatsächlich ein so breites Publikum anspricht, wie angenommen wurde. Und wie die Perspektivkommission sie als Maß aller Dinge beschreibt.

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Jahrgang 1955, Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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