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Kommentar Genau nachrechnen

 ·  Da die Nassauische Heimstätte seit Jahren schwarze Zahlen schreibt, sollte der Finanzminister genau nachrechnen, worauf er langfristig für einen einmaligen Erlös verzichten würde.

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Wann, wenn nicht jetzt, mag sich der hessische Finanzminister denken. Selten schien der äußere Rahmen für einen Verkauf der Nassauischen Heimstätte so gut wie heute.

In Südhessen boomt der Wohnungsmarkt. Im Ballungsgebiet, wo mehr als die Hälfte der 63.000 Wohnungen der Nassauischen Heimstätte liegen, wird Wohnraum knapp, die Preise schießen durch die Decke. Mit Blick nach Baden-Württemberg, wo die dortige Landesbank gerade mit dem Verkauf von 21.000 Wohnungen mehr als eine Milliarde eingenommen hat, dürfte der auf 350 Millionen Euro kalkulierte Erlös aus dem Verkauf des Landesanteils sogar eher niedrig angesetzt sein.

30 Millionen Euro abgeworfen

Selten aber auch ließ sich mit dem Bau und der Bewirtschaftung von Wohnraum so leicht Geld verdienen. Sollte das Land seine Anteile veräußern, verzichtete es langfristig auf eine zuverlässige Einnahmequelle. Und selten fehlte auch ein Korrektiv so sehr wie heute. Die Regulierung des aufgeheizten Wohnungsmarktes durch die preisdämpfend wirkende öffentliche Hand ist bitter nötig, um weniger betuchten Mietern eine Heimstätte zu sichern.

Da die Nassauische Heimstätte seit Jahren schwarze Zahlen schreibt, sollte der Finanzminister genau nachrechnen, worauf er langfristig für einen einmaligen Erlös verzichten würde. Fast 30 Millionen Euro warf das Unternehmen 2010 ab, 2009 waren es 23 Millionen, und für 2011 meldet die Heimstätte einen Überschuss von 27,1 Millionen. Warum sollte sich das Land von einer profitablen Gesellschaft trennen?

„Volksentscheid über die Heimstätte“

Da die Einnahmen regional unterschiedlich sind, spricht viel dafür, die Gesellschaft profitabler zu gestalten, die zu einer echten "Cash-Cow" werden könnte. Die Umstrukturierung der nicht profitablen Bestände, etwa in Nordhessen, macht schon Fortschritte.

Ein interessanter Nebenschauplatz der Debatte ist der Oberbürgermeister-Wahlkampf in Frankfurt. Der SPD-Kandidat Peter Feldmann stilisiert die Wahl zu einem Volksentscheid über die Heimstätte. Dabei übergeht er geflissentlich, dass die schwarz-grüne Koalition zugesichert hat, der städtische Wohnungskonzern ABG werde die in Frankfurt liegenden Wohnungen übernehmen. Auch andere Städte im Rhein-Main-Gebiet könnten ihre Anteile an der Heimstätte auf ähnliche Weise umwandeln. Am Ende könnte es auf ein Geschäft zwischen Land und Kommunen hinauslaufen.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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