16.08.2010 · Die hessische Kultusministerin befindet sich in einer komfortablen Situation. Einerseits. Die FDP-Politikerin hat zum Schuljahresbeginn fast nur gute Nachrichten verkünden können. Andererseits hat Dorothea Henzler das Gröbste noch vor sich.
Von Jacqueline VogtDie hessische Kultusministerin befindet sich in einer komfortablen Situation. Einerseits. Die FDP-Politikerin hat zum Schuljahresbeginn fast nur gute Nachrichten verkünden können und kann Eltern beruhigen mit der Botschaft, die Lehrerstellen in Hessen seien besetzt. Andererseits hat Dorothea Henzler das Gröbste noch vor sich, man könnte auch sagen: Sie muss jetzt liefern, was sie stets ihr zentrales Anliegen genannt hat, den Paradigmenwechsel in der hessischen Schulpolitik.
Weniger Macht für die Verwaltung, mehr Eigenverantwortung für die Schulen. Das hat die Kultusministerin ihrer Klientel bei Amtsantritt vor anderthalb Jahren versprochen. Geschehen ist bisher nicht viel. Um so höher sind die Erwartungen, und fast zwangsläufig werden einige enttäuscht werden. Schulleiter zum Beispiel sollten sich schon einmal von der Idee verabschieden, dass sie bald selbst über die Personal- und Sachbudgets der Schulträger und des Landes verfügen dürften, weil ein Weg gefunden worden wäre, diese zusammenzuführen.
Das neue Schulgesetz wird zeigen, wie ernst es der Ministerin mit der selbständigen Schule ist
In den nächsten Wochen soll das neue hessische Schulgesetz vorgelegt werden. Mit Sicherheit wird es etliche Festschreibungen zu selbständigen Schule enthalten. Vor allem wird es zeigen, wie ernst es der Ministerin mit dem Thema ist – und wie weit sie sich damit innerhalb der Kultusverwaltung durchsetzen kann.
Ruhe an die Schulen zu bringen hieß ein weiteres Ziel Henzlers, vorerst ist es wohl erreicht. Umwälzungen sind nicht im Gange, und wo Unzufriedenheit schwelt, wird sie derzeit nicht sehr engagiert vorgetragen. Regelrecht versandet erscheint zum Beispiel der Protest gegen die Verkürzung der Gymnasialzeit. 50 000 Unterschriften gab der Landeselternbeirat schon Wochen vor den Sommerferien an, dagegen gesammelt zu haben. Seitdem ward nichts mehr gehört.
Themen, die debattiert werden müssen, gibt es noch etliche, nicht das unwichtigste ist die sogenannte Inklusion. Es wird interessant sein zu sehen, ob die CDU im Landtag unter Führung des neuen Ministerpräsidenten Bouffier in Schulfragen weiterhin den ultrakonservativen Gegenpart zur FDP spielen wird. Wenn ja, kann es mit der momentanen Ruhe schnell vorbei sein.
Jacqueline Vogt Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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