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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Für die Politik, von der Politik

 ·  Die Rekrutierung unserer Politiker muss einem seit Jahren Sorgen machen. Das beginnt bei der Bezahlung, hört dort aber noch lange nicht auf.

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Die Rekrutierung unserer Politiker muss einem seit Jahren Sorgen machen. Das beginnt bei der Bezahlung: Die Diäten eines Bundestags- oder Landtagsabgeordneten sind für Unternehmer, Freiberufler oder leitende Angestellte selten attraktiv, für Lehrer, Sozialpädagogen oder Gewerkschaftsfunktionäre sind sie es dagegen schon. Dort endet das Problem auch noch lange nicht. Politik, auch die auf der lokalen Ebene, kostet Zeit, Freizeit. Wer eine engagierte berufliche Karriere anstrebt, verfügt nicht über die freien Stunden, in denen er in Gremien zu agieren hat, in denen zwar alles gesagt worden ist, aber noch nicht von jedem.

Der Trend, die Politik zum Beruf zu machen, hält seit Jahren an, er mag auch damit zu tun haben, dass die politischen Karrieren heute früher beginnen, dass also ganz einfach jene Jahre „übersprungen“ werden, die früher dazu dienten, authentische Erfahrungen im Berufsleben zu sammeln. So kommt es dann zu Karrieren wie der des hessischen SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel, dessen einzige Möglichkeit, sich „im wirklichen Leben“ Einblicke in berufliche Realitäten zu verschaffen, darin bestand, als Referent des Gießener Sozialdezernenten zu arbeiten. Eine Kanzlei, eine Fabrik, eine Beratungsgesellschaft hat er nie von innen gesehen; entsprechend eingeschränkt muss beinahe zwangsläufig seine Weltsicht ausfallen, jedenfalls ist sie schwerpunktmäßig nicht von der Erfahrung geprägt, sich an Märkten durchzusetzen, sich täglich in einer rauhen Wirklichkeit zu erproben, zu bewähren.

Die Politik als einzige Daseinsform

Oder aber die frühen steilen Karrieren führen zu einer obsessiven Bindung an Politik als der scheinbar einzigen Daseinsform. Wie im Falle des Berufspolitikers Boris Rhein (CDU) zu beobachten ist, der einen möglichen Abschied von einem Regierungsamt für so intolerabel hält, dass er auf Kosten Dritter und zu Lasten überzeugender demokratischer Besetzung von Ämtern in eine Aufgabe als Abgeordneter wechseln will.

Der Trend zum Berufspolitiker ist sicherlich nicht mehr umkehrbar. Aber die Leidenschaft für die Politik sollte nicht dazu führen, dass man nur noch von der Politik leben kann.

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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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