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Kommentar : Frauen im Kommen - irgendwann

Frauen an der Spitze: Petra Roth (CDU, links), einstige Oberbürgermeisterin, und Jutta Ebeling (Grüne) frühere Bürgermeisterin Frankfurts Bild: Eilmes, Wolfgang

Zum ersten Mal führt nun eine Frau eine hessische Industrie- und Handelskammer - in Darmstadt. Das ist etwas. Daraus abzuleiten, Frauen seien generell auf dem Vormarsch, ist jedoch gewagt.

          Es ist den Darmstädtern zu gönnen. Seit die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer die 50 Jahre alte Darmstädter Unternehmerin Kristina Sinemus, Mutter zweier Kinder, zur Präsidentin gewählt hat und sie damit die erste Frau ist, die eine hessische IHK führt, ist es offensichtlich: In Darmstadt haben die Frauen derzeit mehr zu sagen als bisher. Das ist erfreulich. Wer sollte etwas dagegen haben.

          Allerdings wäre es wohl doch gewagt, daraus abzuleiten, dass Frauen generell in Wirtschaft und Politik auf dem Vormarsch sind, so wünschenswert dies auch wäre. Denn bis vor zwei Jahren hat auch Frankfurt mitunter sogar bundesweit von sich reden gemacht, weil mit Oberbürgermeisterin Petra Roth und Bürgermeisterin Jutta Ebeling gleich zwei Frauen an der Spitze einer Großstadt standen. Damals wurde häufig hervorgehoben, wie bemerkenswert das sei, zumal Frankfurt außerhalb Hessens den Ruf der eher kalten Stadt der Banken und Finanzen genießt.

          Heute keine Oberbürgermeisterin mehr in Rhein-Main

          Damals konnte sich Frankfurt auch rühmen, in den Aufsichtsräten der städtischen Gesellschaften einen akzeptablen Frauenanteil zu erreichen. Dabei waren Roth und Ebeling qua Amt dabei, die Oberbürgermeisterin häufig als Vorsitzende. Mit dem Ausscheiden der beiden Politikerinnen sank der Frauenanteil in den Gremien, die politischen Spitzenpositionen besetzen Männer.

          Wer noch weiter zurückgeht, erinnert sich vielleicht an die Euphorie, die Mitte der neunziger Jahre herrschte. 1993 gewann zunächst Ottilia Geschka die Oberbürgermeisterwahl in Rüsselsheim, 1994 folgte Margret Härtel in Hanau, und 1995 wurde die Frankfurterin Petra Roth die Dritte im Bunde der CDU-Oberbürgermeisterinnen in der Region. Damals war viel von Frauen die Rede und davon, dass an ihnen, die ja die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, kein Weg vorbeiführe. Heute gibt es keine Oberbürgermeisterin mehr in Rhein-Main.

          Dafür hat Darmstadt eine IHK-Präsidentin, und an der Spitze des größten hessischen Regierungspräsidiums, des Darmstädter, steht ebenfalls eine Frau. Das ist etwas. Vielleicht werden es in den nächsten Jahren auch noch einmal ein paar mehr.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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          Quelle: F.A.Z.

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