13.11.2009 · Eine erstaunliche Ausstellung. So viel Botticelli hat es außerhalb Italiens kaum einmal gegeben. Schon gar nicht im deutschsprachigen Raum. Allein die jetzt zum ersten Mal wieder vereinten Tafeln mit der Legende des Florentiner Stadtpatrons Zenobius lohnen den Besuch der Schau.
Von Michael HierholzerEine erstaunliche Ausstellung. So viel Botticelli hat es außerhalb Italiens kaum einmal gegeben. Schon gar nicht im deutschsprachigen Raum. Allein die jetzt zum ersten Mal wieder vereinten Tafeln mit der Legende des Florentiner Stadtpatrons Zenobius lohnen den Besuch der Schau. Desgleichen das sonst im Botticelli-Hauptsaal der Uffizien in Florenz präsentierte Gemälde „Minerva und Kentaur“. Was jetzt im Städel zu sehen ist, genügt völlig, um dem Zauber der Frührenaissance zu erliegen. Schon die chaotischen Verhältnisse vor dem Haus und die völlig überfüllten Räume bei der Eröffnung gestern Abend haben gezeigt: Frankfurt ist im Botticelli-Rausch.
Dass es geglückt ist, eine Reihe von Haupt- und Meisterwerken auf Zeit nach Frankfurt zu lotsen, ist alles andere als selbstverständlich. Es ist aber ein guter Grund, stolz zu sein auf die Leistungsfähigkeit der hiesigen kulturellen Institutionen. Und vor allem auf dieses Museum, das sich in einer deutschen Ausstellungslandschaft voller üppiger fürstlicher Sammlungen als bürgerliche Gründung und Stiftung bestens behauptet.
Fokus auf Gegenwartskunst
Hätte das Städel nicht ein erstklassiges Renommee, gehörte es nicht zu den weltweit ersten Adressen, wenn es um die wissenschaftliche Bearbeitung, die konservatorische Pflege, die museologische Vermittlung von alten Meistern geht – diese Schau wäre nicht zustande gekommen. So aber hat das Frankfurter Ausstellungsjahr einen späten Höhepunkt.
Das Städel erweist sich wieder einmal als bedeutendster Kunstausstellungs-Ort im Rhein-Main-Gebiet. Wenn um den dauerhaften Verbleib der Holbein-Madonna gestritten wird, sollten die Beteiligten dies in ihre Überlegungen miteinbeziehen. Werke, die hier verwahrt werden, erhalten allein deshalb schon mehr Aufmerksamkeit, weil das Museum, das sie verwahrt, erforscht, präsentiert, international wahrgenommen und für wichtig befunden wird. Mit dem Erweiterungsbau und dem damit verbundenen Fokus auf die Gegenwartskunst wird das altehrwürdige Institut seine Position noch ausbauen. Dank Botticelli festigt es jetzt erst einmal seine Stellung als seriöses Ausstellungshaus für die Kunsttradition.