Home
http://www.faz.net/-gzg-120ua
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Fassungslose Kirche

03.02.2009 ·  Richard Pfeifer, Vorsitzender des Katholikenrats im Bistum Fulda, oberster Laienvertreter, versteht das „Top-Management in Rom“ nicht: Die Fassungslosigkeit über die Entscheidung des Papstes ist selbst bei gestandenen Katholiken enorm.

Von Stefan Toepfer
Artikel Lesermeinungen (5)

Ein Lehrer, Katholik seit Kindesbeinen, schickt ein E-Mail an seine katholischen Kollegen, um seiner Wut über die Aufhebung der Exkommunikation gegen vier traditionalistische Bischöfe, von denen einer den Holocaust leugnet, Ausdruck zu verleihen. Andere sind tief beschämt. Richard Pfeifer, Vorsitzender des Katholikenrats im Bistum Fulda, oberster Laienvertreter, versteht das „Top-Management in Rom“ nicht: Die Fassungslosigkeit über die Entscheidung des Papstes ist selbst bei gestandenen Katholiken enorm. Inzwischen wagen sich auch Bischöfe, unter ihnen einige namhafte, aus der Deckung, äußern sich kritisch über das Zustandekommen jener Entscheidung im Vatikan und dazu, welche Folgen sie hat.

Im Rhein-Main-Gebiet findet der Mainzer Bischof die klarsten Worte innerkirchlicher Kritik. Er geht damit weiter als seine Amtsbrüder, die entweder bloß Solidarität mit dem Papst einfordern, wie der Limburger Bischof, oder sich nur gezwungenermaßen zu dem Thema äußern wie der Bischof von Fulda. Das ist entschieden zu wenig.

Schlausch: „Glaubwürdigkeitsverlust“ der Kirche

Der Entschluss des Papstes ist gefallen, so darf ein Holocaust-Leugner wieder die Sakramente empfangen. Eine andere Dimension rückt nun aber immer mehr in den Vordergrund: Welchen Stellenwert haben Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Religions- und Gewissensfreiheit sowie zum interreligiösen und -konfessionellen Dialog? Wie steht die erzkonservative Pius-Bruderschaft dazu, der die vier rehabilitierten Bischöfe angehören? Ändert sich nun die Rechtsstellung der Anhänger jener Bruderschaft in der Kirche? Wie kann und soll deren Verhältnis zu katholischen Pfarrgemeinden künftig aussehen?

Der Limburger Bischof ist hier gefragt, weil in seinem Bistum, in Hattersheim, eine Kapelle dieser Bruderschaft steht. Der dortige Gemeindepfarrer beklagt eine „Verunsicherung“ und erbittet von der Bistumsführung eine klare Positionierung. Sie hätte sich schon in den vergangenen Tagen über eine „etwas klarere Aussage“ ihres Bischofs über die päpstliche Entscheidung gefreut: Beatrix Schlausch, Präsidentin der Diözesanversammlung im Bistum Limburg. Es werde lange dauern, den „Glaubwürdigkeitsverlust“ der Kirche wiedergutzumachen, meint sie. Mit einem Appell, dem Papst treu zu sein, wird es nicht getan sein.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr