20.02.2010 · Nun will der Vorstand der Frankfurter Hazrat-Fatima-Moscheegemeinde also erst am Dienstag für Klarheit sorgen. Das aber ist ein Fehler.
Von Stefan ToepferNun will der Vorstand der Frankfurter Hazrat-Fatima-Moscheegemeinde also erst am Dienstag für Klarheit sorgen. Die berechtigte Erwartung, es würde schon am Freitag eine Stellungnahme zu dem umstrittenen Imam der Gemeinde geben, ging ins Leere.
Der Vorstand sagt, er wolle die Sache am Wochenende erst mit der Gemeinde besprechen. Das aber ist ein Fehler, denn damit hat das Gremium eine sehr wichtige Chance vertan. Denn am Dienstag wird der Vorstand um Generalsekretär Ünal Kaymakci angesichts des massiven Drucks, der am Freitag abermals zugenommen hat, als Getriebener wahrgenommen werden, nicht mehr als Handelnder, der selbst für Ordnung sorgen will.
Kein Zweifel, dass Imam nicht zu halten ist
Dass die Gemeinde den Imam nicht mehr halten kann, daran gibt es keinen Zweifel mehr. Täte sie es, wäre sie in Frankfurt isoliert, fände ihr ambitioniertes Moscheebauprojekt zu Recht keine breite Legitimation. Aber die Gemeinde darf sich nicht allein aus solchen Erwägungen von ihm trennen. Viel grundlegender muss die Einsicht sein, dass Äußerungen wie die des Geistlichen einfach inakzeptabel sind.
Wenn Vorstand samt Gemeinde sich von dem Imam getrennt haben werden, wird Kaymakci selbst mehr in den Mittelpunkt der Debatte rücken. Er hat sich bisher hinter den Imam gestellt. Wie er sich am Dienstag verhalten, was er sagen wird, wird für sein Ansehen in der integrationspolitischen Öffentlichkeit in Frankfurt und Hessen entscheidend sein. Er muss sich auch persönlich und nicht nur im Namen der Gemeinde deutlich zu dem Imam äußern, sich von ihm distanzieren. Auch das hätte er gestern tun müssen, anstatt bis Dienstag zu warten.
Sprachekenntnisse allein kein Indiz für Integration
Die Gemeinde hatte den Imam auch deswegen geholt, weil er Deutsch spricht. Das Ansinnen ist richtig, aber Sprachkenntnisse allein sind kein hinreichendes Indiz für gelingende Integration. Muslimische Geistliche müssen nach hiesigen wissenschaftlichen Standards theologisch ausgebildet werden, wie es richtigerweise auch Athenagoras Ziliaskopoulos, der Vorsitzende desFrankfurter Rates der Religionen, fordert. Viel Zeit darf man dabei nicht mehr verlieren.