13.06.2007 · In Frankfurt sprudeln die Steuerquellen. Gerade die Museen beschäftigen sich mit Neu-, Um- und Ausbauplänen. Um sich kulturell von der internationalen Konkurrenz abzuheben, wäre nun die Aufgabe, auch das Ungewöhnliche zu denken, meint Matthias Alexander.
Von Matthias AlexanderEs ist fast wie einst in den goldenen achtziger Jahren. Die Steuerquellen sprudeln in Frankfurt so stark, dass auch die Kulturpolitik nach entbehrungsreicher Zeit nicht mehr nur mit Sparanstrengungen verknüpft ist. Die Gestaltungsmöglichkeiten, die sich Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) bieten, liegen dabei weniger auf personellem Gebiet. Die auf absehbare Zeit wichtigste Entscheidung – für Oliver Reese als neuen Schauspielchef – ist sogar schon getroffen.
Semmelroth bietet sich vielmehr die Chance, als Bauherr in die Stadtgeschichte einzugehen. Vor allem die Museen beschäftigen sich mit Neu-, Um- und Ausbauplänen. Das Historische Museum, das Museum der Weltkulturen und das Städel sind zu nennen. Und über dem Archäologischen Garten auf dem Altstadtareal soll es nach dem Willen der schwarz-grünen Koalition eine kulturelle Nutzung geben – eine Erweiterung der Schirn Kunsthalle ist genauso im Gespräch wie eine Außenstelle des Archäologischen Museums.
„Museumsufer II“ könnte ein Masterplan heißen
So zahlreich sind die Projekte, dass sie nach einem Gesamtkonzept verlangen, wie eben in den achtziger Jahren, als sich Frankfurt zum Erstaunen der Welt als Kulturstadt neu erfand. „Museumsufer II“ könnte so ein Masterplan heißen. Die Aufgabe wäre, auch das Ungewöhnliche zu denken. Wie könnte Frankfurt der immer übermächtigeren Konkurrenz aus Berlin Paroli bieten? Wäre ein spektakulärer Neubau geeignet, nach dem Vorbild etwa des Guggenheim in Bilbao oder der Elbphilharmonie in Hamburg?
Noch werden die Projekte aber isoliert betrachtet. Die Phantasie, was mögliche Standorte betrifft, beschränkt sich auf Lücken am Museumsufer. Der Vorschlag des Architekten Jochem Jourdan, das Museum der Weltkulturen neben dem Senckenbergmuseum zu plazieren und so ein spannendes Ausstellungsensemble von Natur und Kultur zu schaffen, verhallt ohne Resonanz.
Die spannende Idee, das frühere Völkerkundemuseum am Osthafen neu zu errichten, wird rasch als abseitig abgetan. Etwas mehr Gedankenmut wäre angebracht. Semmelroth könnte allerdings nicht ohne Berechtigung einwenden, dass darüber viel Zeit verginge. Das Risiko sei zu groß, dass dann nicht mehr genug Geld vorhanden sei, um die schönen Pläne zu verwirklichen. Es wäre Aufgabe einer klugen Haushaltspolitik, solche Bedenken des Kulturdezernenten gegenstandslos zu machen.
Gedankenmut eigentlich eine Selbstverständlichkeit!
Joerg' S (joerg51)
- 14.06.2007, 13:52 Uhr
Chance nutzen!
Peter Schäfer (PSConsultant)
- 14.06.2007, 14:21 Uhr
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Jüngste Beiträge