22.05.2006 · Die deutschen Politiker sind unverdächtig, besonders viel zur Schaffung von Arbeitsplätzen zu unternehmen. Aber daß sie die Wachstumschancen einer ganzen Branche abwürgen und in beachtlicher Zahl Entlassungen erzwingen, kommt doch nur selten vor.
Von Manfred KöhlerDie deutschen Politiker sind unverdächtig, besonders viel zur Schaffung von Arbeitsplätzen zu unternehmen. Aber daß sie die Wachstumschancen einer ganzen Branche abwürgen und in beachtlicher Zahl Entlassungen erzwingen, kommt doch nur selten vor. Bei den Sportwetten geschieht derlei zur Zeit, und die hessische Landesregierung ist mit aller Kraft dabei. Das müßte nicht so sein. Denn das Bundesverfassungsgericht hatte in seinem Urteil Ende März der Politik die Wahl gelassen: entweder das Monopol wiederherzustellen, aber so, daß Spielsucht wirklich bekämpft wird, oder die staatlichen Lottogesellschaften weiterhin der Konkurrenz privater Unternehmen auszusetzen, dann aber unter rigider Kontrolle.
Natürlich haben sich die Hessen für die Monopollösung entschieden, denn es ist ihnen das Hemd näher als der Rock. Deshalb sollen jetzt die privaten Wettbüros rasch geschlossen werden mit den zu erwartenden Folgen für die Beschäftigten - in Frankfurt ist der juristische Kampf schon in vollem Gange. Lustig ist es, sich die Folgen für Lotto Hessen anzusehen. Um den Vorgaben des Gerichts, die Spielsucht zu bekämpfen, nachzukommen, soll jetzt beispielsweise der Slogan „Lotto - nächste Woche Du“ aufgegeben werden, was sicherlich die angeblich so vielen, die bisher Woche für Woche in der Hoffnung auf sechs Richtige Haus und Hof aufs Spiel gesetzt haben, schlagartig zur Einsicht bringen wird.
Danaergeschenk für das staatliche Lotteriespiel
Daß durch den Verzicht auf Bandenwerbung gerade der Sport getroffen wird, der doch vom staatlichen Lottospiel profitieren soll, gehört zu den Folgen, die sich noch freundlich als Ungereimtheiten bezeichnen lassen. Daß Lotto Hessen keine Anstalten macht, sich von der vor wenigen Jahren neu geschaffenen Lotterie „Keno“ zu verabschieden, zeigt die Grenzen der Bereitschaft, sich dem Verdikt zu unterwerfen.
Tatsächlich ist die Beibehaltung des Monopols ein Danaergeschenk für das staatliche Lotteriespiel, wenn man nicht ohnehin glaubt, nach einer kurzen Phase der Zurückhaltung werde das Unternehmen stillschweigend wieder zu den alten Strategien zurückkehren. Es ist gewiß sinnvoll, gegen Glücksspielsucht vorzugehen, auch wenn einmal angemerkt werden soll, daß die Welt nicht voll ist von Süchtigen dieser Art. Aber eine wirksame Kontrolle der Privaten hätte gereicht, ihr Verbot ist unnötig. Lotto Hessen hätte ein solches Vorgehen nicht geschadet, sondern genutzt. Denn die oberste Regel lautet immer noch: Konkurrenz belebt das Geschäft.
Wann bräche die Revolution aus?
gisbert heimes (gisbert4)
- 23.05.2006, 18:01 Uhr
Absurd
Frank Martin (FrankMartin)
- 22.06.2006, 20:57 Uhr