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Kommentar Es ruppelt in der Commerzbank

 ·  Auf die Frage, ob ihm sein Job noch Spaß mache, sagt Commerzbank-Chef Blessing schlicht, aber mit Inbrunst: „Jo!“ Allerdings stellt sich die Frage, wie lange die Aktionäre ihm den Spaß noch lassen.

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Eine gewisse Flapsigkeit herrscht an der Spitze der Commerzbank schon länger. Wenn Klaus-Peter Müller schwierige Aufgaben bevorstanden, pflegte er zu sagen: „Das werden wir schon wuppen.“ Sein Nachfolger Martin Blessing spricht nun davon, dass es in den Verhandlungen mit dem Betriebsrat schon einmal „ruppeln“ könne. Auf die Frage, ob ihm sein Job noch Spaß mache, sagt er schlicht, aber mit Inbrunst: „Jo!“

Zwischen all den Negativbildern von kühlen Bankern wirkt Blessing angenehm menschlich. Doch angesichts der Tatsache, dass er auch im fünften Jahr an der Spitze der Commerzbank vor allem mit Rettungsmaßnahmen und Schadensbegrenzung beschäftigt ist, stellt sich die Frage, wie lange die Aktionäre ihm den Spaß noch lassen.

Vom heutigen Aufsichtsratschef Müller kam neulich erstmals ein öffentlicher Warnschuss. „Wenn der Vorstand seine Ziele ohne sehr triftigen Grund verfehlt und die erwartete Leistung nicht bringt, muss der Aufsichtsrat handeln“, sagte er in einem Interview. Und auch wenn die Kommunikatoren der Bank noch so sehr darauf hinweisen, wie lobend sich Müller im übrigen Verlauf des Gesprächs zu Blessing geäußert hat, dürfte der Satz einem gewieften Manager wie Müller nicht ohne Hintergedanken herausgerutscht sein.

Für den Erfolg der Bank sind allerdings zwei Dinge noch wichtiger als das Vertrauen der Aktionäre in das Management: das Vertrauen der Kunden in die Bank und die Motivation der Mitarbeiter. Beides wird nun zum wiederholten Male auf eine harte Probe gestellt, wenn das Geldinstitut schon wieder die Verkleinerung und Umstrukturierung von Filialen und den Abbau Tausender Stellen plant.

Langjährige Kunden stöhnen schon seit dem Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank, dass ihnen ständig neue Berater gegenübersitzen. „Kaum hat man sich dem einen vorgestellt, sitzt da schon wieder ein neuer“, sagte ein Stammkunde kürzlich. Das dürfte mit der Umstellung vieler Filialen weiter so gehen.

Aus Reihen der Mitarbeiter sind schon lange immer wieder frustrierte Töne zu hören. Wenn Blessing nun kurz nach dem Abbau von 9000 Stellen infolge der Dresdner-Bank-Übernahme noch einmal bis zu 6000 Stellen streichen will, dürfte das die Motivation der Angestellten nicht eben steigern. Viele gute haben das Schiff auch schon freiwillig verlassen. Denen machten die ständigen Rückschläge offenbar gar keinen Spaß.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)

15.02.2013, 23:23 Uhr

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