21.11.2009 · Man könnte jetzt einfach weiter addieren. Auf rund 70 Millionen Euro haben sich die Mehrkosten der Stadt Frankfurt in den vergangenen Monaten schon belaufen, jetzt kommen noch einmal knapp 100 Millionen Euro für die Bebauung des Riedbergs dazu.
Von Matthias AlexanderMan könnte jetzt einfach weiter addieren. Auf rund 70 Millionen Euro haben sich die Mehrkosten der Stadt Frankfurt in den vergangenen Monaten schon belaufen, jetzt kommen noch einmal knapp 100 Millionen Euro für die Bebauung des Riedbergs dazu. Die Neubebauung des Altstadtareals und dazu das neue Museum der Weltkulturen wären für dieses Geld zu haben. Mit der Einschränkung, dass für diese beiden Projekte vermutlich auch wieder Mehrkosten zu veranschlagen sind.
Nun kann der erhöhte Geldbedarf am Riedberg zwei Ursachen haben. Entweder war die anfängliche Kalkulation zu optimistisch, oder es wurde Geld verschwendet. Vieles spricht dafür, dass die Chancen einer raschen Vermarktung dramatisch überschätzt wurden. Auf dem Riedberg entwickelt die Stadt ein Neubaugebiet, in dem einmal 16 000 Menschen leben werden. Es ist mit 266 Hektar so groß wie die Frankfurter Innenstadt innerhalb der Wallanlagen. Selbst deutlich kleinere Quartiere brauchen 15 Jahre Zeit. Dass ein solches Riesenprojekt nicht in dem ursprünglich geplanten Zeitraum von zehn Jahren vollendet werden konnte, liegt auf der Hand.
Am Riedberg gönnt sich Frankfurt einen glamourösen Auftritt
Andererseits gönnt sich Frankfurt auch am Riedberg einen glamourösen Auftritt. Eine riesige Grundschule wurde gleich im Ganzen fertiggestellt. Leitungen und Straßen wurden sofort für fast das gesamte Gebiet angelegt. An der Altenhöferallee wurden Laternen in einer so dichten Reihenfolge aufgestellt, wie man sie an den Champs-Élysées nicht findet. Das Gehalt des zuständigen Projektleiters soll eines Spitzenmanagers würdig sein. In Frankfurt kosten die Dinge halt, was sie kosten.
Anstatt die Plausibilität dieser Ausgaben zu prüfen, wie es sich für eine Oppositionspartei gehört, gibt sich die SPD geradezu generös gnädig gegenüber der schwarz-grünen Koalition. Offenbar ist deren Kalkül aufgegangen, die SPD durch frühzeitige Information in einer Art Beirat einzubinden.
Allerdings, das ist den Planern zuzugestehen, ist der Durchbruch auf dem Riedberg geschafft. Die Vermarktungserfolge der vergangenen zwei Jahre lassen erwarten, dass das Gebiet in zehn Jahren komplett bebaut sein wird. Ein teurer Erfolg, aber immerhin – ein Erfolg.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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