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Kommentar Es geht um die Kunden

09.10.2009 ·  Frank Albrecht sollte die Kirche im Dorf lassen. Dem Präsidenten des Einzelhandelsverbands fehlt es an jedem Maß, wenn er die Eröffnung des Einkaufszentrums in Weiterstadt als dunklen Tag für Südhessen bezeichnet.

Von Manfred Köhler
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Frank Albrecht sollte die Kirche im Dorf lassen. Dem Präsidenten des Einzelhandelsverbands fehlt es an jedem Maß, wenn er die Eröffnung des Einkaufszentrums in Weiterstadt als dunklen Tag für Südhessen bezeichnet. So wie Frankfurt seit nahezu einem halben Jahrhundert die Nähe des Main-Taunus-Zentrums aushält, so wie die Innenstadt Bad Homburgs nach der Eröffnung von Ikea an der Autobahn 661 nicht untergegangen ist, so wird auch die City Darmstadts mit der neuen Konkurrenz leben lernen. Womöglich wird „Loop 5“ ohnedies eher Kunden vom Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim abziehen und von anderen Einkaufszentren des Rhein-Main-Gebiets, die sich bereits mit allerhand Werberummel in Erinnerung rufen.

Einkaufszentren und gewachsene Innenstädte stehen gleichsam für unterschiedliche Geschäftsmodelle. Locken hier unentgeltliche Parkplätze und einheitliche Öffnungszeiten, so sind es dort urbaner Flair, überraschende Geschäfte in Seitenstraßen und kulturelle Angebote. Eigentlich könnten sogar Innenstädte ihre Schwächen eher ausgleichen als Einkaufszentren aus einem Guss – es lassen sich eher hier Parkgebühren senken als dort Stadtbibliotheken bauen. Doch fehlt für verbindliche Einkaufsabende oder ein stärkeres City-Marketing den Einzelhändlern oft die Kraft. Hier, nicht bei der Verhinderung neuer Arbeitsplätze auf der „grünen Wiese“, sind die jeweiligen Kommunalpolitiker gefragt – als Antreiber, auch bei der Verbesserung der Erreichbarkeit von Stadtzentren.

Ohne neue Geschäfte draußen vor der Stadt geht es nicht

Schon angesichts des andauernden Zuwachses an Handelsflächen geht es nicht ohne neue Geschäfte draußen vor der Stadt. Wo sollten sie denn sonst unterkommen? Insofern sollten sich Regionalplaner auch gut überlegen, ob sie die Erweiterungspläne von Ikea in Hofheim, an einem exzellenten Standort unweit des Wiesbadener Autobahnkreuzes, unterbinden. Dass aus Möbelhaus-Solitären Agglomerationen werden, weil die Besucher den einen Einkauf gern mit einem anderen verbinden, ist nur eine natürliche Entwicklung. Die Aufgabe der Politik sollte sein, auf anspruchsvolle kompakte Lösungen zu dringen, die so wenig Landschaft verbrauchen wie nötig. Doch sollten sich Regionalpolitiker nicht das Kirchturmdenken zu eigen machen, aus dem heraus Bürgermeister aus der Nachbarschaft Hofheim derlei Aufschwung missgönnen. Letztlich muss es darum gehen, was der Kunde will. Er ist der Souverän.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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