14.09.2007 · Es ist gut, dass die Polizei den Täter gefasst hat, der Zalman Gurevitch mit einem Messer attackiert hatte. Bei diesem Angriff handelt es sich nicht „einfach“ um eine schwere Straftat, meint Günter Mick. Die Attacke hat eine politische Dimension.
Von Günter MickMit Erleichterung und Befriedigung kann man darauf nur reagieren: Den Ermittlungsbehörden ist es gelungen, den Mann festzunehmen, der vor einer Woche in Frankfurt einen jüdischen Geistlichen auf offener Straße niedergestochen hat. Es ist gut, dass die Polizei des mutmaßlichen Täters in relativ kurzer Zeit hat habhaft werden können. Denn bei diesem Messerangriff – schlimm genug! – handelt es sich nicht „einfach“ um eine schwere Straftat.
Die Attacke hat eine politische, eine eminent große gesellschaftspolitische Dimension. Die Bluttat, in Frankfurt einzigartig seit dem demokratischen Wiederaufbau der Stadt nach den Nazi-Gräueln, stellt letztlich einen Angriff auf das Gemeinwesen dar. Sie berührt, sie erschüttert den bürgerschaftlichen Konsens in einer Stadt, die bisher mit all ihren vielen Minderheiten gleichsam Vorbild für ein Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen hat sein können.
Front gegen fundamentalistische Positionen
Nach der Festnahme des Verdächtigen spricht vieles dafür, dass es sich um eine Einzeltat gehandelt hat. Doch die nach den bisherigen Ermittlungen bekanntgewordenen Umstände lassen gleichwohl neuerlich erschrecken. Der junge Mann, ein afghanischstämmiger Deutscher, der die Tat zugegeben hat, hat demnach den an seiner Kleidung erkennbaren Rabbiner provozieren wollen. Dass der Festgenommene den Vorgang herunterzuspielen versucht, eine Tötungsabsicht bestreitet, ebenso den Drohruf „Scheiß-Jude, ich bring dich um“, ist sein, wenn auch nicht gutes, Recht.
Nach allem, was bisher bekannt ist, muss man aber zu der Feststellung gelangen, dass es sich um eine eindeutig antisemitisch motivierte Straftat handelt. Es ist ein unerträglicher Gedanke: ein Anschlag auf ein bekennendes Mitglied einer Glaubensgemeinschaft. Und die Tat wurde von einem jungen Moslem ausgeführt, dessen Eltern einst aus Afghanistan geflüchtet waren. Man mag es nicht glauben.
Einige Tage nach dem ruchlosen Angriff auf den Rabbiner hatten sich auch Repräsentanten islamischer Vereine bestürzt über den Anschlag gezeigt, die Tat verurteilt, die Bedeutung eines friedlichen Zusammenlebens aller Bevölkerungsgruppen hervorgehoben. Diese Äußerungen waren wichtig. Sie entheben aber nicht der Notwendigkeit, im öffentlichen Leben eines demokratischen, toleranten Rechtsstaates zu beweisen, dass man selbst diesen Kriterien gerecht zu werden vermag, dass man Front macht gegen fundamentalistische Positionen, dass man gewillt ist, sich in dieses Gemeinwesen zu integrieren. Es würde helfen, den Anschlag auf den Rabbiner als Einzeltat zu begreifen.
Hubschrauber?
Gerhard Katz (spital8katz)
- 14.09.2007, 21:34 Uhr
Stand der Dinge
Jan Froehlich (JanFroehlich)
- 14.09.2007, 21:34 Uhr
'gehört keiner islamistischen Organisation an'
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
- 15.09.2007, 03:04 Uhr
kein Einzelfall
Alexander Schmitt (thabadguy)
- 15.09.2007, 06:16 Uhr
Nur Totschlag?
Andreas Schulkenheit (Andreas345)
- 15.09.2007, 17:58 Uhr