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Kommentar Entspannte Hessen

 ·  Der moderne Mensch ist ja gut beraten, skeptisch zu bleiben. Kaum hat man einen Politiker zum Heroen erkoren, entpuppt er sich als Trickser. Und immer, wenn man glaubt, nun sei die Eintracht aus dem Gröbsten raus, stürzt sie in den Abstiegskampf.

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Der moderne Mensch ist ja gut beraten, skeptisch zu bleiben. Kaum hat man einen Politiker zum Heroen erkoren, entpuppt er sich als Trickser. Und immer, wenn man glaubt, nun sei die Eintracht aus dem Gröbsten raus, stürzt sie in den Abstiegskampf. Nicht an den Fortschritt zu glauben schützt vor Enttäuschungen.

Aber es gibt Ausnahmen – Fälle, in denen das Gute und Vernünftige schöne Siege feiert. Das Rauchverbot in Lokalen und öffentlichen Gebäuden gehört dazu. Mit der Luftqualität in den Restaurants hat sich auch die Lebensqualität ihrer Gäste (und der Kellner) deutlich gesteigert. Ein paar Altraucher nölten am Anfang zwar noch herum und schwadronierten von verlorener Freiheit, vom Kulturgut Tabakkonsum und vom gefährdeten Schutz einer Minderheit. Aber sie sind längst verstummt. Abends aus der Kneipe zu kommen, ohne alle Klamotten gleich in die Waschmaschine stecken zu müssen, ist eine feine Sache. Von den gesundheitlichen Aspekten ganz zu schweigen. Und das Essen schmeckt auch besser.

Keine Rufe nach einer Verschärfung des Verbots

Allerdings, wie das oft so ist, hatte der Gesetzgeber in Wiesbaden in seinem Reformeifer am Anfang übertrieben, indem er ein totales Rauchverbot aussprach. Die lebenskluge Abkehr von diesem Rigorismus jährt sich in diesen Tagen zum ersten Mal. Der Landtag hob zum 3. März 2010 das Rauchverbot, das vielerorts ohnehin von den Ordnungsämtern nicht besonders scharf kontrolliert worden war, für Nebenräume in Gaststätten und Einraum-Kneipen auf. Wer es unbedingt will, kann sich also dem Dunst aussetzen. Jeder andere, der sich um seine Gesundheit sorgt, wird ein rauchfreies Lokal in der Nachbarschaft finden.

Bisher sind keine nennenswerten Beschwerden über die pragmatische Lösung bekanntgeworden. Es zeichnet sich immer noch kein Volksentscheid wie in Bayern ab, wo seit Anfang August das strengste Rauchverbot in ganz Deutschland gilt. Auch die Gesundheitslobby hält sich mit Rufen nach einer Verschärfung des Verbots zurück. Möge den Hessen der entspannte Umgang mit der Thematik erhalten bleiben.

Das Leben lehrt einen ohnehin, dass alles seine zweite Seiten hat. Manchmal wünschen sich sogar überzeugte Nichtraucher eine weitere Lockerung des Verbots. Wer einem ausverkauften Rockkonzert beiwohnt, der weiß jetzt, welche Gerüche der Zigarettenqualm früher gnädig überdeckt hat.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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