15.02.2010 · In bürokratischen Ordnungen nehmen Veränderungen oft merkwürdige Formen an. Haben sich die verschiedenen Interessenvertreter erst einmal entlang bestimmter Linien eingegraben, verharren sie dort oft wie festbetoniert.
Von Jacqueline VogtIn bürokratischen Ordnungen nehmen Veränderungen oft merkwürdige Formen an. Haben sich die verschiedenen Interessenvertreter erst einmal entlang bestimmter Linien eingegraben, verharren sie dort oft wie festbetoniert. Die winzigsten Bewegungen werden innerhalb des Systems als Siebenmeilenschritte empfunden, außerhalb aber als Quasistillstand wahrgenommen.
Ein Beispiel dafür ist das Schulwesen, über das Verordnung um Verordnung ergeht, ohne dass in der öffentlichen Wahrnehmung ein echter Durchbruch geschieht – wenn doch, sind die Bewertungen extrem unterschiedlich, siehe die immer noch ungeliebte Verkürzung der Gymnasialzeit.
Es müssen kurzfristige Entscheidungen getroffen werden
Auf Beifall von außen, also auch von Eltern, können Kultusbeamte wie Bildungspolitiker hoffen, wenn sie versprechen, die Qualität des Unterrichts zu verbessern. Hessisches Lehrerbildungsgesetz heißt ein Vehikel dafür. Um dieses wird jetzt wieder politisch gestritten, ein Teil des Streits hat hohen Aufmerksamkeitswert. Denn mit gutem Instinkt verknüpft der CDU-Politiker Hans Jürgen Irmer eine Detailfrage mit einer grundsätzlichen. Und er hat recht damit, was nicht heißt, dass er auch durchdringen wird, geschweige denn, dass das unmittelbar notwendig wäre.
Irmer will die Lehrerausbildung anders als bisher strukturieren. Die wichtige Frage, wie es zu schaffen ist, dass nur für den Beruf des Lehrers geeignete Personen ihn auch ergreifen, möchte er mit einem verpflichtenden Praxissemester für Studenten lösen. Ähnliches wollen auch die Grünen, die in den vergangenen Jahren nicht eben durch Unverstand in schulpolitischen Fragen aufgefallen sind.
Von solchen Übereinstimmungen abgesehen, müssen kurzfristig Entscheidungen getroffen werden, zum Beispiel über die zukünftige Dauer des Referendariats an hessischen Schulen. Wie auch immer die Koalitionspartner CDU und FDP sich bei diesem Thema einigen werden: Das dicke Brett wird anschließend gebohrt. Denn die Forderung nach mehr Praxisbezug in der Ausbildung und nach Möglichkeiten der Selbstreflexion von Lehramtsstudenten ist richtig. Auf diese Erkenntnis müssen Taten folgen.
Jacqueline Vogt Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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