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 ·  Von unten sind Hochstraßen kein erbaulicher Anblick. Doch Autobahnen können auch zum verbindenden Element werden.

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Von unten sind Hochstraßen kein erbaulicher Anblick. Wer je zu Fuß eine Autobahnbrücke oder Schnellstraße unterqueren musste, kann nachvollziehen, warum die meisten Menschen diese dunklen Angsträume meiden. Außerdem trennen die Verkehrsbarrieren ganze Stadtteile von einander. Schon aus städtebaulichen Gründen ist es darum eine gute Idee, die überdimensionierte Rosa-Luxemburg-Straße im Frankfurter Stadtteil Ginnheim tieferzulegen.

Im holländischen Städtchen Zaan-stad gab es eine ähnliche Situation. Dort haben Architekten gezeigt, wie aus einer die Stadt in zwei Hälften zerreißenden Autobahn ein verbindendes Element werden kann. Die Straße verläuft auf sieben Meter hohen Pfeilern quer durch die kleine Stadt. Die Fläche unter der Brücke war mehr als dreißig Jahre lang ein Parkplatz, bis die Stadt 2005 dort einen Skatepark, Fußballfelder und einen Blumenladen anlegte.

Zukunftsmusik?

Doch in Frankfurt ist diese Fläche zu kostbar. Die Stadtplaner haben berechnet, dass sich die Straße durch eine Verlegung nicht nur besser ins Stadtbild einfügen würde. Auf- und Abfahrten würden zudem ebenso überflüssig wie ebenerdige Parallelstraßen. Auf der so hinzugewonnen Fläche und durch die Nachverdichtung der angrenzenden Platensiedlung könnten bis zu 2420 Wohnungen entstehen - Platz für etwa 5000 Frankfurter ist in Zeiten eines solch angespannten Wohnungsmarkts keine Kleinigkeit.

Bisher galt das Szenario als Zukunftsmusik mit geringen Realisierungschancen. Vermutlich hätte es die Stadt auch mittelfristig beim Status quo belassen, wäre nicht wegen des ausgeschriebenen ÖPP-Projekts zur Renovierung von 170 Brücken und ähnlichen Bauwerken eine Entscheidung nötig geworden. Ohne die Sanierung der Rosa-Luxemburg-Straße, die den Kern des Projekts aus- macht, steht das Geschäft nun auf der Kippe.

Offenbar ist die Koalition bereit, sich von einem Lieblingsprojekt des verstorbenen Grünen-Verkehrsdezernent Sikorski und des Kämmerers zu trennen. Es ist gut, dass die Koalition nun tatsächlich „ergebnisoffen“ nachrechnet. Aber eigentlich muss das auch selbstverständlich sein.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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