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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Einer zu viel

 ·  Eine Verjüngung des FDP-Trios im Wiesbadener Kabinett war überfällig. Wenn jetzt aber Posch und Henzler vorzeitig gehen müssen, dann ist das jedoch einer zu viel.

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Eine Verjüngung des FDP-Trios im Wiesbadener Kabinett war überfällig. Mit Wirtschaftsminister Dieter Posch und Kultusministerin Dorothea Henzler sind zwei Posten von Politikern jenseits der 60 besetzt, die nach der nächsten Landtagswahl ohnehin aus der Politik ausscheiden wollten. Das war heikel, schon mit Blick auf die Präsenz im anstehenden Wahlkampf.

Wenn jetzt beide vorzeitig gehen müssen, dann ist das jedoch einer zu viel. Die hessische FDP, die bisher recht glaubhaft versichern konnte, von der Panik in anderen Landesverbänden und im Bund nicht erfasst zu sein, hat sich nun von der allgemeinen Nervosität anstecken lassen.

Beer ist fleißig, umtriebig und kann sehr gewinnend auftreten

Mit Florian Rentsch steht immerhin ein vielversprechender Nachfolger für Posch bereit. Im Fall von Henzler liegen die Dinge anders. Zwar stand sie sich mit ihrer spröden Art selbst im Weg, doch ist es ihr gelungen, das einst heiß umkämpfte Politikfeld Bildung zu befrieden. Das ist nicht wenig, zumal mit einiger Wahrscheinlichkeit die Schulpolitik das wichtigste landespolitische Thema im Wahlkampf sein wird.

Henzlers Nachfolgerin Nicola Beer wird kaum Zeit bleiben, Profil zu gewinnen. Beer ist fleißig, umtriebig und kann sehr gewinnend auftreten. Ihr werden aber auch ein gewisser Hang zu Hektik und mangelnde Teamfähigkeit nachgesagt. Sie wurde einst als Fraktionsgeschäftsführerin abgesetzt, weil sie den Kollegen in der Landtagsfraktion mit ihrem Starrsinn auf die Nerven ging.

Auch Hahn muss die Misere verantworten

Da es sich die FDP nicht leisten kann, nur Männer zu Ministern zu machen, hat Beer keine Konkurrenz. Der Landtagsfraktion gehört, von Henzler abgesehen, keine Frau an, auch sonst gibt es keinen weiblichen Führungskräftenachwuchs unter den hessischen Liberalen. Die Partei muss wohl oder übel über eine Frauenquote nachdenken, wenn man sieht, dass es bei der Besetzung von Spitzenposten keine Auswahl gibt.

Zu verantworten hat die Misere nicht zuletzt der Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn. Seit er mit Nibelungentreue gegenüber der CDU und begünstigt vom Zeitgeist seine Partei zum großen Erfolg bei der Landtagswahl 2009 führte, ist er in der Hessen-FDP unangefochten. Doch diesen Rang hat er mit einer unauffälligen Amtsführung als Justizminister und mit polternd-flapsigen Beiträgen zu parteiinternen Debatten nicht untermauern können. Es würde der FDP helfen, wenn er sich selbst zu einem Neuanfang in den eigenen Ämtern motivieren könnte.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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