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Kommentar Einer schweigt, einer kommt

12.03.2010 ·  Was die katholische Kirche derzeit üben muss, ist Krisen-PR. Gefragt sind Kirchenführer, die das Wort der Stunde kennen. Es heißt Vertrauen.

Von Peter Lückemeier
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Der Bischof von Fulda wird von einem Journalisten angerufen, auf dass er sich äußere zu den Fällen von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche, er gibt zur Antwort: „Ich bin im Urlaub und kann nicht weiterhelfen.“ Der Zynismus in einer solch bewegenden und heiklen Frage ist schwer überbietbar. Welch ein Unterschied: Der Bischof von Limburg unterbricht seine Pilgerreise ins Heilige Land, um vor der Presse Stellung zu nehmen. Auch hier geht es um Missbrauch, aber gottlob nur um den von Geld: Ein Mitarbeiter der Kirche hat in einer Weise in die Kasse gegriffen, dass man sich an den Kopf fasst angesichts des mangelhaften, laienhaften Controllings. Der Fall könnte Stoff liefern für eine Posse, denn er enthält beinahe alle Zutaten eines ergötzlichen Stückes zur Volksbelustigung: Sex, Crime, Bigotterie, die Schlitzohrigkeit des Täters und die Tumbheit der Obrigkeit.

Franz-Peter Tebartz-van Elst, der Bischof von Limburg, der Aufgaben wie ein effektives Controlling eigentlich dem zuständigen Generalvikar als dem Chef seiner Verwaltung überlassen könnte, hat immerhin gelernt, was sein Kollege Algermissen aus Fulda erst üben muss: In Tagen der Krise dürfen sich die Verantwortlichen nicht wegducken. Insofern ist die Unterbrechung der Pilgerreise ein symbolisch richtiger Akt.

Kirche braucht Krisen-PR

Was die katholische Kirche (und die evangelische in den Nach-Käßmann-Tagen übrigens auch ein bisschen) derzeit üben muss, ist Krisen-PR. Und da gilt für die Stellvertreter Gottes auf Erden das Gleiche wie für profane Chemieunternehmen nach einem Schadensfall: die Sache ernst nehmen, sich entschuldigen, alles dafür unternehmen, dass sich nie mehr wiederholt, was falsch war.

Wahlweise dürfen sich die katholischen Würdenträger auch auf die Prinzipien der Beichte besinnen, die da lauten: Reue, Buße, Umkehr. Was echtes Bedauern, ja Erschütterung, im öffentlichen Meinungsbild bewirken kann, hat die Leiterin einer nichtkirchlichen Einrichtung vorgemacht, die Direktorin der Odenwaldschule, die sich nicht scheute, Tränen zu vergießen. Nun sollen hier keine Bischöfe zu öffentlichen Tränenergüssen aufgefordert werden, aber gefragt sind Kirchenführer, die das Wort der Stunde kennen. Es heißt Vertrauen.

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