23.09.2009 · Das Problem der Messe Frankfurt GmbH liegt darin, dass es an erfolgreichen Ideen für die Fortentwicklung des Geschäfts am Unternehmenssitz mangelt. Hier wird von einem neuen Chef Kreativität erwartet und eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten.
Von Manfred KöhlerWolfgang Marzin, der womöglich in der Messe Frankfurt GmbH demnächst der starke Mann sein wird, eilt der Ruf voraus, den nicht weniger traditionsreichen Messestandort in Leipzig vorangebracht zu haben. 2008 erzielte die dortige Messegesellschaft, an deren Spitze Marzin seit 2004 steht, den sechsten Rekordumsatz nacheinander, und Ausgleichszahlungen der Gesellschafter waren nicht mehr nötig. Der Fünfundvierzigjährige ist seit zwei Jahrzehnten in der Messebranche tätig, er sollte etwas von dem Geschäft verstehen, das in besonderer Weise auf Kontakte und Netze – „Netzwerke“ sagt man heutzutage – angewiesen ist.
Für jemanden, der zum Branchenprimus in Frankfurt wechselt, sind geschäftliche Erfolge und vielfältige Beziehungen allerdings nur die notwendige, noch keineswegs die hinreichende Bedingung. Die temperamentvolle Geschäftsführung der Messe Frankfurt hat in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht, das fortzusetzen ist, namentlich die alles in allem erfolgreiche Expansion ins Ausland. Sie hat zugleich auf dem Heimatmarkt Deutschland die Stellung verteidigt.
Kein Ort für Experimente
Das Problem der Messe Frankfurt GmbH liegt aber darin, dass es an erfolgreichen Ideen für die Fortentwicklung des Geschäfts am Unternehmenssitz mangelt. Hier wird von dem neuen Chef Kreativität erwartet und eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten. Erst wenn ihm gelingt, Umsätze auch in Frankfurt, nicht nur draußen in der Welt, zu steigern, wird man seine Amtszeit dereinst erfolgreich nennen.
Es scheint so, als solle der neue Mann nicht nur den Vorsitzenden der Geschäftsführung, Michael von Zitzewitz, beerben, der Ende März in den Ruhestand tritt, sondern zugleich auch den erst 60 Jahre alten Michael Peters, dessen Ende Juni auslaufender Vertrag wohl nicht verlängert werden soll. Dass die beiden profiliertesten Männer der Messe beinahe gleichzeitig gehen, dass sodann nur ein Geschäftsführer gleich beide ersetzen soll, ist ein beachtliches Wagnis, das durch Vertragsverlängerung wenigstens für einen der beiden kleiner ausfiele. Die Messegesellschaft ist ein überschaubar großer Konzern, doch hängt an ihrem Wohlergehen vieles in der Stadt. Ein Ort für Experimente sollte die Messe nicht sein.