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Kommentar Eine neue Wohnungsnot

 ·  Treffen die Prognosen für die demographische Entwicklung in Südhessen zu, so wird die derzeit stark wachsende Einwohnerzahl im Jahr 2045 wieder auf dem Niveau von 2009 liegen. Ist der Engpass am Wohnungsmarkt also nur von überschaubarer Dauer? So einfach ist die Rechnung nicht.

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Treffen die Prognosen für die demographische Entwicklung in Südhessen zu, so wird die derzeit stark wachsende Einwohnerzahl im Jahr 2045 wieder auf dem Niveau von 2009 liegen. Im Jahr 2050 sollen sogar 61.000 Menschen weniger in der Region leben als heute. Ist der Engpass am Wohnungsmarkt also nur von überschaubarer Dauer? Müssen in vierzig Jahren leerstehende Wohnviertel abgerissen und in Parkanlagen umgewandelt werden?

So einfach ist die Rechnung nicht. Abgesehen von der Unzuverlässigkeit solcher Vorhersagen, wird auch die durchschnittliche Größe der Haushalte weiter abnehmen. Die Menschen werden immer älter und leben länger allein. Der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum wird daher in Südhessen auch langfristig weiter steigen. Um ihn zu decken, müssen neue Wohnungen gebaut werden - mehr als 10.000 im Jahr, schätzt das Wirtschaftsministerium.

Darmstadt und Frankfurt haben ihre Flächenreserven nahezu aufgebraucht

Der neue Wohnungsmarktbericht deutet damit einen Weg aus der Wohnungskrise an. Da die Flächen für Neubaugebiete im Ballungsraum aber begrenzt sind, können die betroffenen Städte nicht ohne weiteres neues Bauland ausweisen, wie es die Landesregierung empfiehlt.

Da infolge des Flughafenausbaus große Teile der Region zum Siedlungsbeschränkungsgebiet erklärt wurden und da sich Wohnen und lautes Gewerbe nicht vertragen, haben etwa Darmstadt und Frankfurt ihre Flächenreserven schon heute nahezu aufgebraucht. In Frankfurt ist nur noch Platz für 18.800 neue Wohnungen. Danach ist Schluss. Die Stadt könnte nur noch stärker in die Höhe bauen. Oder eingemeinden.

Insbesondere günstiger Wohnraum wird knapp

Die Schaffung von neuem Wohnraum gleicht unter diesen erschwerten Bedingungen der Quadratur des Kreises. Dass im Neubausegment zu wenig bezahlbarer Wohnraum entsteht, hängt vor allem mit den hohen Bodenpreisen zusammen.

Insbesondere günstiger Wohnraum wird knapp. Die Antwort auf die neue Wohnungsnot liegt in der richtigen Förderpolitik. Die Kommunen und das Land müssen intelligente Instrumente entwickeln und, zum Beispiel, jungen Familien günstige Erbbaurechte anbieten. Die Arbeitsplätze mögen in der Region noch so interessant sein. Wer sich das Leben hier nicht leisten kann, wird sie verlassen oder kommt erst gar nicht.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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