19.08.2009 · Die Verhandlungen über den Kaufvertrag für den Campus Bockenheim müssen dringend zum Abschluss kommen. Es sind nur noch fünf Jahre, bis die Universität vollständig ihr neues Domizil bezogen haben wird. Es droht das schlimmste Szenario: dass die Uni in Bockenheim eine Brache hinterlässt.
Von Rainer SchulzeDie Vorstellung ist zu schön. Vor dem Ballettabend im Bockenheimer Depot lädt das Musikhochschulorchester zum Platzkonzert. So könnte es auf dem Bockenheimer Campus in einigen Jahren aussehen. Doch es steht zu befürchten, dass die abgenutzte, aber leider nur zu oft treffende Floskel vollendet werden muss: Zu schön - um wahr zu werden.
Das Land muss die Verlagerung der Universität ins Westend finanzieren und hat für die Umzugskosten den Erlös aus dem Verkauf des Campus einkalkuliert. Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst am Depot anzusiedeln bedeutet auch den Verzicht auf einige Millionen. Eine städtebaulich vorzügliche Lösung droht also an der Finanzierung zu scheitern. Hier sind - der FDP-Kulturpolitiker Otto, der in Berlin bei der Kulturstiftung sammeln geht, liegt ganz richtig - viele starke Schultern gefragt.
Nur mit einem gemeinsamen Kraftakt von Land, Stadt und privaten Sponsoren könnte es gelingen, in Bockenheim einen Raum für Kreative zu schaffen, der seinesgleichen sucht und eine Magnetwirkung entfaltet. Der Umzug der Musikhochschule, die an ihrem bisherigen Standort aus allen Nähten platzt, ist eine großartige und wahrscheinlich einmalige Chance, den Stadtteil zu einem urbanen und mit Bockenheimer Depot und Senckenberg-Museum schon jetzt kulturell geprägten Viertel zu entwickeln.
Im Rahmenplan zur Zukunft des Campus Bockenheim heißt es, dass das Bockenheimer Depot den Mittelpunkt des neuen Stadtquartiers bilden soll. Die Ansiedlung der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in der Nachbarschaft könnte das Quartier zusätzlich beleben und auch abends für Urbanität sorgen, wenn in den Bürogebäuden, die ABG und OFB auf dem Campus ansiedeln möchten, das Licht ausgeht.
Der Weiterverkauf der Grundstücke an Investoren dürfte aber schwierig werden. Der Immobilienmarkt für neue Bürobauten ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Jetzt sämtliche Flächen am Depot für die nahe gelegene KfW-Bank, die langfristig wohl wachsen wird, zu reservieren hieße, eine Gelegenheit zu verpassen, von der die ganze Stadt profitierte. Der Campus ist groß genug.
Die Verhandlungen über den Kaufvertrag müssen dringend zum Abschluss kommen. Es sind nur noch fünf Jahre, bis die Universität vollständig ihr neues Domizil bezogen haben wird. Die Zeit wird knapp, ein neuer Stadtteil wächst langsam. Es droht das schlimmste Szenario: dass die Uni in Bockenheim eine Brache hinterlässt.