Home
http://www.faz.net/-gzg-15u5j
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Ein schöner Plan, mehr nicht

14.03.2010 ·  Die Landesregierung will Energie sparen. Das ist schön. Aber man wird sehen, was daraus wird.

Von Peter Lückemeier
Artikel Lesermeinungen (0)

Besonders sexy ist dieses Wort ja nicht: „kohlendioxidneutral“. Und dennoch ist es bemerkenswert, dass in Sachen Energiesparen ausgerechnet eine von den bürgerlichen Parteien geführte Landesregierung in die Offensive geht. Dies ist in Hessen (und im Bund) ja nicht der erste legitime Versuch, sich für Grünen-Wähler attraktiver zu machen, erst beim Frankfurter CDU-Parteitag an diesem Wochenende hat der Vorsitzende Boris Rhein ja die ökologisch bewusst lebenden Bürger als Zielgruppe benannt.

„Klimaschutz-Charta“ freilich ist eines jener großen Wörter, die wir in Hessen gewohnt sind, skeptisch zu betrachten. In der üblich gewordenen Marken-Etikettierung von Politik muss man einer „Klimaschutz-Charta“ mit genau so viel gesundem Misstrauen begegnen wie einer „Unterrichtsgarantie Plus“ oder einer Aktion „Staufreies Hessen“.

Das Thema muss plastisch werden

Zumal die „Klimaschutz-Charta“ ja zunächst nicht viel mehr darstellt als eine Absichtserklärung: Sechzehn Firmen und Institutionen vereinbaren den Austausch von Informationen und Erfahrungen mit der Landesregierung in Sachen Klimaschutz , um den Einsatz neuer emissionsarmer Technologien zu fördern. Nichts dagegen. Nur sollte man es richtig einordnen als das, was es ist – ein Versprechen. Ob es eingelöst und zuvor effizient behandelt wird, bleibt zu beobachten. Gut, richtig und dem Selbstverständnis einer konservativ-liberalen Regierung entsprechend ist dagegen der Wettbewerb. Wo 41 Landesbehörden aufgefordert sind, die anderen im Energiesparen zu übertreffen, werden sicherlich bessere Ergebnisse erzielt als per Runderlass angefordert.

Der Hinweis schließlich, allein in diesen 41 Landesbehörden könne eine Menge an Strom gespart werden, wie sie maximal 400 Einfamilienhäuser verbrauchten, macht die Sache plastisch. Das ist wichtig, denn noch immer ist für die meisten Normalbürger das Thema Energie so abstrakt und wirklichkeitsentlegen wie die Definition einer Kilowattstunde. Sie bekommen ihre Stromrechnung, halten sie für zu hoch, zahlen sie aber zähneknirschend. Von der Möglichkeit, problemlos zu einem preisgünstigeren Stromanbieter zu wechseln (oder auch zu einem ökologischer orientierten) haben bis zum vergangenen Jahr 21 Prozent der Bürger Gebrauch gemacht. Nur oder immerhin? Jedenfalls bedarf es immer wieder des Versuchs, das abstrakte Thema Energiesparen in lebenspraktische Bezüge umzurechnen. Oder eines unverschämten Energielieferanten wie der Süwag, der den Verbrauchern Vertragsbestätigungen zuschickt, die sie gar nicht bestellt haben.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr